tapatapatu written by Tomik

29Apr/081

Adolf! Autobahn! Du Jude!

Ich fliege nicht 10.000 Kilometer und mehr um den Erdball um anschließend mit Deutschen eine Diskussion über Deutschland zu führen. Gerne vertrete ich mein Land in Kiew oder in Moskau und ich bin im Grunde recht froh ein deutscher Staatsbürger zu sein, zusätzlich eingebettet in der bunten Europäischen Union. Vielleicht bestimmen Südostasien oder der Persische Golf in Zukunft den Takt der weltweiten Wirtschaft. Aber ich halte das alte Europa und insbesondere Deutschland keineswegs für völlig verloren. Ganz im Gegenteil … sofern unsere Zivilisation bis ins 22. Jahrhundert hinein überdauert, werden weltweit beeindruckende Regionen heranwachsen, welche mit Europa und Nordamerika gleichziehen. Diese Regionen sind nicht alleine unsere Konkurrenten sondern gleichzeitig auch unsere Chancen und unsere Märkte.

Ich lasse mich an einer Bar nieder, bestelle mir ein Bierchen und beobachte vom Barhocker aus das Treiben auf der Straße. Die Dämmerung setzt langsam ein und im Gegenzug gewinnen bunte Neonröhren die Oberhand. Die Geräuschkulisse ist unglaublich: Laute Musik, ständig knattert ein Roller oder ein Tuktuk vorbei und dann das Geschnatter der Menschenmassen um mich herum. Der vollkommene Wahnsinn! Es geht hier zu wie, ich kann es nicht anders beschreiben, in der Massengeflügelhaltung. Das brodelnde Leben hat seinen Reiz und ist gleichzeitig die Hölle, gerade für mich. Was geht hier eigentlich in der Hauptsaison ab? Nein, ich will es weder wissen noch live erleben.

Zu mir gesellt sich ein Deutscher, Typ „Wolfgang Petri“ und gut eine Dekade älter als ich selbst. Wir kommen recht locker und unverbindlich ins Gespräch. Bald habe ich folgendes Wissen über meinen zufälligen Gesprächspartner: Mittlerer Bildungsabschluss, arbeitet offenbar in der Produktion eines mittelständischen Chemiewerkes, unverheiratet und keine Kinder. Wolfgang (nennen wir ihn mal so) zieht seit locker zwei Wochen Abend für Abend durch Pattaya´s Nachtleben. Übermorgen geht es nach Hause in die norddeutsche Provinz, irgendwo im Raum Braunschweig. Von mir erfährt er, dass ich als freischaffender Buchhalter meine Brötchen verdiene. Mehr als „Bergarbeiterabitur“ (sprich Hauptschulabschluss) und Lehre zum Bürokaufmann habe ich nicht vorzuweisen. Man ist miteinander auf Augenhöhe und das macht sympathisch.

Noch ein Bierchen bitte und die Runde geht auf mich. Ehrensache! Im Gegenzug bekomme ich eine informelle Lehrstunde über käufliche Thaimädels. Preise, Eigenheiten, Tips und Tricks. Sollte ich das hier im Blog alles erzählen? Oder verliere ich dann die letzten weiblichen Leser? Habe ich überhaupt weibliche Leser? Eine Leserin ist mir möglicherweise gewiss, aber mehr, da erhalte ich keinerlei Feedback. Gut, also schweige ich – zumindest solange ich Beiträge „nur für Männer“ nicht freigeben kann. Das wäre doch noch eine recht innovative Idee für die Macher von WordPress: Neben Beiträge „nur für Privat“ sollte es auch die Möglichkeit geben, Veröffentlichungen „nur für Männer“ oder „nur für Frauen“ zu schalten. Ja, ja, ich komme vom Thema ab.

Wolle Wolfgang: Wir haben unseren Spaß unter Kerlen. Das Bier fließt und die Runden gehen inzwischen automatisch auf mich. Wolle hat seine „Kriegskasse“ schon längst verhurt und versoffen … so kurz vor der Heimreise. Egal, es trifft keinen armen und eine giftgrüne Flasche Heinecken kostet (an der Bar) 80 Bath. Zum Thema „Thaimäuse“ habe ich nicht viel beizutragen. Schließlich bin ich erst „einen“ Tag in Pattaya und leide noch am Jetlag. Wolle hat vollstes Verständnis und erklärt mir erneut die „Walking Street“ (also das Zentrum des Nachtlebens in Pattaya) rauf und runter. Bei Bierrunde sieben oder acht entsteht bei „Wolle“ eine kleine Gedankenpause (ich hinke mit den Runden weit hinten nach). Und dann erfolgt der Schwenk in die Niederungen der deutschen Politik.

Alles Verbrecher, Merkel, Steinmeier und wie sie alle heißen! Und überhaupt hat „Wolle“ die Schnauze bis ganz obenhin voll. Angst um den Arbeitsplatz („sein“ Chemiewerk wurde kürzlich an einen amerikanischen Investor verkauft, weil die Gründerfamilie keine Nachfolge hatte), alles wird immer teurer. Und mit den deutschen Frauen ist das so eine Sache. Noch ein Bier bitte! „Wolle Wolfgang“ erzählt mir von Kuba und Karibik (er war vor Jahren dort), von Freund Che (Che Guevara) und von den rassigen kubanischen Mädchen. „Thomas, kannst Du Dir vorstellen, Che Guevara wollte sogar das Geld abschaffen!“ Nein Wolle, das möchte ich mir lieber nicht vorstellen. Tief im Herzen bin ich nämlich ein kleiner Kapitalist. „Ja Thomas, das habe ich Dir gleich angesehen … Du bist ein Schlitzohr und Du weißt alles. Du bist so klug und gebildet.“ Wolle, wo Du recht hast, da hast Du recht. Es ist der Punkt erreicht, wo ich als Psychotherapeut locker 120 Euro die Stunde in Rechnung stellen könnte. Aber statt dessen bezahle ich die nächste Runde Bier.

Wolle fängt sich wieder etwas und erzählt mir nun „ein was“ von Auswanderung. Nicht nach Kuba aber sehr gerne nach Thailand. Er bereist Thailand schon seit sieben Jahren! Ich frage Wolle nach dem Norden und dem Süden von Thailand. Hä? Wie Norden, wie Süden? „Thomas, ich kenne mich voll gut in Pattaya aus!“ Darauf meine ich trocken: Auch Pattaya hat einen Norden und einen Süden. Inzwischen trinke ich Kaffee. Wolle noch ein Bierchen? Klaro! Thailand und Kuba, Kuba und Thailand. Und dann ging es plötzlich so richtig ans eingemachte, ohne Vorwahrung und ohne mit der Wimper zu zucken. Wolle Wolfgang, wirklich nicht ungebildet, knapp über 50 Jahre alt und nach 14-tägigen Dauerfreuden im Schoße niedlicher Thaidamen:

Bei "Adolf" war doch nicht alles so schlecht. Rumms! Mir fällt die Kinnlade runter und das Adrenalin schießt mir ins Blut. Ich bändige meine aufkommende Wut und vorsichtig gestatte ich mir die Frage: Wie meinst Du das? Wolle holt aus: Alle waren ohne Arbeit und Hitler hat allen Arbeit gegeben. Drei Stunden nach unserem ersten Bierchen bekomme ich nun ungefragt Nachhilfeunterricht in deutscher Geschichte. Hitler hat Autobahnen gebaut. Mir kommt unweigerlich Eva Hermann und ihr blond beklopptes Weltbild in den Sinn. Was ist mit Krieg? Vernichtung? Judenverfolgung? Wolle ist bis aufs Mark erbost: Kann man die Vergangenheit nicht mal endlich vergessen? Dafür tragen „WIR“ doch nicht die Schuld! Ich versuche diplomatisch zu bleiben: Nicht die Schuld aber sehr wohl die Verantwortung.

Wolle dreht jetzt völlig wirr am Rad: „Ich wusste das Du es nicht verstehst, ich wusste das von Anfang an. Bist Du etwa Jude?“ Diese Frage höre ich nicht zum ersten mal. Ich höre diese Frage immer wieder in Osteuropa: Meine Gesicht und meine Affinität zum Geld führt nicht selten zu dieser Frage. Selbst von echten Juden aus Russland: „Bist Du wirklich nicht einer von uns?“ Im tiefen Osten ist die Fragen nicht bösartig gemeint, von Juden sowieso nicht. Nichts desto weniger: Judenhass gibt es auch und gerade in Russland und der Ukraine. Aber wie auch immer: Aus dem Munde eines „total vollgelaufenen“ deutschen Staatsbürgers ist mir diese Fragestellung noch nicht unter gekommen. An der Bar wird man auf uns aufmerksam. Das Lächeln der Bardamen wirkt inzwischen sichtlich unsicher. Sie ahnen offenbar, hier kommt es gleich zum deutsch-deutschen Supergau! Nein, ich bin kein Jude … mehr habe ich nicht zu sagen.

Ich lasse mir die Rechnung geben. K.O. in der zwölften Runde! Aha, zwölf Bierchen hat es gedauert, bis „Adolf und Autobahn“ zum Thema wurde. Ich bezahle 15 Heinecken und 4 Tassen Kaffee. Wolle fasst mir an die Schulter: „Thomas, ich habe nichts gegen Juden!“ Ich auch nicht, gebe ich zur Antwort und streife seine Hand von meiner Schulter. Dann lege ich 1500 Bath auf den Tresen. Die Barmädchen werfen mir sorgenvolle Blicke zu. Ich erhalte mein Wechselgeld zurück: „You need help?“ Für diese Frage bin ich irgendwie dankbar. „Thank you, all is OK.“

Gleichzeitig Wolle von links, mit glasig funkelnden Augen: Mein Vater war bei der Wehrmacht und der hat sich nichts zu schulden kommen lassen! Als er aus der russischen Kriegsgefangenschaft kam, war quasi er ein menschliches Wrack. „Ja, das kann ich verstehen. Nur hat Adolf Deinen Vater in den Krieg geschickt und nicht ich! Hitler hat Deinen Vater auf dem Gewissen!“ Wolle pfeift aus dem letzten Loch und zerrt an meinen Klamotten: „Du willst mich nicht verstehen, ich habe das von Anfang an gewusst, gleich als ich Dich kennen gelernt habe! Du bist ein Jude, sonst würdest Du ganz anders über MEIN Vaterland reden!“ Ich werfe einen (vermutlich) verzweifelten Blick zur Bardame … sie lächelt mir verlegen zu und aus der Tiefe der Bar löst sich ein Schatten der auf uns zukommt: „Some Problems?“ Die männlichen Thais sind vergleichsweise schmächtig … allerdings hier ist Kickboxen ihr Nationalsport. Ich brauche echt keinen Stress: Thank you Sir, my friend “Che Guevara” drink to much beer, that’s all. Er nickt mir freundlich zu: “You are welcome.“ Wolle hat verstanden. Er löst sich von mir und der Bar, trottet dumpf in die Menschenmenge, Augenblicke später ist "Wolle Wolfgang" verschwunden. Auf dem Weg zurück nach Braunschweig. Mir ist zum kotzen und zum heulen, ich möchte nach Hause.

P.S.

Unter den deutschen Pattaya-Gästen (gemeint sind allein reisende Herren) ist "Adolf" nicht selten äußerst gegenwärtig. Ich belasse es allerdings dabei, nur eine Begegnung mit dem Thema zu schildern.

2008 05 Thailand Pattaya 137 in

Die "Bild" für unsere Bildungsbürger, selbst in Asien erhältlich.

28Apr/080

Das tapfere Schneiderlein

April 2008

Meine kleine Geschichte vom tapferen Schneiderlein, ereignete sich praktisch am ersten Tag in Thailand. Kein Scherz: In den Touristenzentren von Bangkok, Pattaya oder Phuket gib es scheinbar mehr Schneider-Läden als Bars oder Restaurants. Das ganze Gewerbe ist offenbar fest in indischer Hand. Meistens sind das smarte und gepflegte junge Männer, die vor dem Geschäft auf Kundschaft warten. Warten? Offensiv werben! Bei jeder sich bietenden Gelegenheit wird der "Farang" angesprochen. Wenn das alleine nichts hilft, greifen die "Taylor" dem Passanten nicht selten an die Wäsche.

"Oh dear Sir! How are you an where you com from?" Der "Chef" des Hauses streckt mir dabei verbindlich die Hand zum Gruß entgegen: "Nice to meet you, maybe you need some jacket and trousers? I make a good price, special for you!" Bevor ich meine Hand noch entziehen und sicherheitshalber in der Hosentasche versenken kann, hat er sie zum Gruß gepackt um sie nicht wieder los zu lassen. Mit freundlicher Gewalt werde ich in den Laden gezogen. "Very good quality and so cheap for you!" Ach Scheiße, hast ja sonst nix vor und ein paar neue Klamotten wären auch nicht so schlecht. Ich denke allerdings, nachdem ich 10 Kilo abgespeckt hätte! Meine maßgefertigten Anzüge in Kiew sitzen inzwischen recht eng. Trotzdem: Nur einfach so will ich es mir nicht gestatten, etwas mehr Stoff als notwendig um den Bauch schneidern zu lassen. Wie auch immer, man macht das Spielchen also mindestens einmal mit.

"Sir! Where you come from?" Meine Antwort formuliere ich etwas genervt in deutscher Sprache: Vom Mond, natürlich! Und ich werde eiskalt erwischt: "Oh, you are from Germany? Nice country, realy nice country." Und als ob das nicht genug wäre, fügt das indische Schneiderlein ein gebrochenes "Guten Tag Sir!" hinzu. Genauso schlitzohrig geht das unausweichliche Verkaufsgespräch in die nächste Runde: "You like Thailand?" Was soll man darauf wohl sagen? Ja klar, ich bin hier weil ich Thailand abgrundtief hässlich finde? Mir liegt eine Gegenfrage auf der Zunge ... you like India? Nein, wer wird denn hier unhöflich werden. Schließlich befinde ich mich im Land des Lächelns.

Der Schneider zeigt mir ein fertiges Sakko. "Very high quality" und ich darf es anfassen. Nein, ich muss es anfassen! Fass! Im Internet konnte ich lesen, das manche Schneider die Stoffe lediglich verkleben. Das geht schneller als richtiges Nähen. Nur fällt dann das Sakko nach der ersten Reinigung wieder auseinander. Ich lasse also den Klugscheißer raus, in der Hoffnung das tapfere Schneiderlein aus der Fassung zu bringen: "You dont use glue?" Mein Gott, ich ernte ein völlig entsetztes Gesicht! Fast möchte ich mich für meine Frage entschuldigen ... aber Mr. Taylor lächelt schon wieder ... mit aller milden Güte, die ein Hindu so aufbringen kann. Ein geschäftstüchtiger Hindu! "No, no, no ... all perfectly work and very high quality ... we take only the best for you!" Innerlich übersetze ich mir: Er will nur mein bestes, meine Kohle! Naja, wie kann ich ihm seine Geschäftstüchtigkeit zum Vorwurf machen? Eher nicht. Es ist ja auch nicht so, dass ich überhaupt kein Interesse hätte, nichts desto weniger versuche ich das Gespräch zum Ende zu führen. "And what is your special price for me?"

Mr. Taylor überhört meine Frage und drückt mir ein Musterbuch in die Hand. Abgebildet sind echt smarte Männer in perfekt sitzender Kleidung. Europäische Männer. Amerikanische Männer. Jedenfalls Langnasen aus dem Westen. Ich möchte keine unhaltbaren Behauptungen aufstellen ... aber da könnte glatt jemand einen Otto- oder Quelle-Katalog zerschnitten haben. Ich werde zum Sitzen genötigt. Aha, wer sitzt kann nicht weglaufen! Ich blättere und heuchle weiterhin Interesse vor. Will ja schon wissen, was so was nun kostet. "How many buttons should have the jacket?" Keine Ahnung, brumme ich leicht genervt vor mich hin - in meiner Muttersprache. Blätter hin und her und deute auf einen Anzug der mir tatsächlich gut gefällt. Dabei hatte ich weniger die Anzahl der Knöpfe vor Augen als vielmehr Schnitt, Farbe und Stoffmuster. Ganz abgesehen davon war ich, im hintersten Hinterkopf, neidisch auf den Flachen Bauch der hier abgebildeten Anzugträger. Das hebt meine Kauflaune nicht wirklich an.

Ich komme auf des Pudels Kern zurück: And what is the price? Deute dabei auf Sakko, Hose und die Weste. Gelassen greift Mr. Taylor zum Maßband und verkündet nun maßnehmen zu wollen. Schließlich, so seine Erklärung, ist der Preis von der Menge des Stoffes abhängig. Als ob ich es geahnt hätte: Mit 10 Kilo weniger auf den Rippen würde ein Anzug nur halb so viel Stoff benötigen und damit nur halb so viel kosten! In mir wächst die Ungeduld und überhaupt bin ich jetzt wirklich gekränkt ... von der Menge des Stoffes! Nee, das hat der Inder nicht drauf! Statt eine Anspielung auf meinen Bauch zu machen hätte er ja sagen können: Der Preis hängt von der Qualität des Stoffes ab. Im Zweifel wäre noch gegangen: Die Anzahl der Knöpfe macht den Preis. So aber hat er mich als Käufer gedemütigt und praktisch schon verloren!

Was mir so an Gedanken durch den Kopf geht, gefangen in einen indischen Schneiderladen in Thailand. Egal! Ich ringe nach einer Antwort um endlich auf den Punkt zu kommen. Ich meine, Englisch ist nicht meine Muttersprache und wie übersetzt man, praktisch zu Kauf oder Stirb verdammt, Sätze wie: "Entschuldigung Herr Schneider, draußen sind über 35 Grad im Schatten und mir läuft der Schweiß in Rinnsalen die Arschbacken runter. Sie wollen da wirklich an mir maßnehmen? Nee, das ist mir äußerst unangenehm, das muss ich mir eigentlich echt nicht geben. Da hat der ganze Spaß ein Loch, sozusagen ein Knopfloch! OK, ich hätte das schon so sagen können (auf Englisch) mir fehlte nur die passende Vokabel für „Knopfloch“.

Also balle ich meine Hand, strecke den Daumen nach oben und schwenke hin und her ... als Zeichen für einen ungefähren Preis. Bitteschön! Mensch Meier, der Mann ist doch Profi und wusste schon als er mich in den Laden zerrte wie viel Meter Stoff er benötigt. Oder wie viel Gramm Klebstoff. Der Schneider druckst herum ... das ist meine Chance und ich klappe das Musterbuch zu und stehe auf. Nein, versuche aufzustehen! Sanft werde ich in das verkaufsweiche Ledersofa zurückgedrückt. Mr. Taylor lächelt mal wieder wohlwollend und fragt mich, wie viele Hemden und Krawatten ich denn dazu haben möchte ... nein, auf Hemd und Krawatte hatte ich eigentlich nicht gezeigt. Er öffnet erneut das Musterbuch, während ich mich daran erinnere im Land des Lächelns zu verweilen. Eigentlich um Urlaub zu machen und weniger um Anzüge zu kaufen. Ich nehme ihm das Musterbuch wohlwollend ab und blättere bis zu meinen Wunschanzug vor, deute erneut auf "Wunsch-Sakko", "Wunsch-Hose" und "Wunsch-Weste". Freundlich lächelnd trage ich meine bescheidene Frage vor: "Why I get no very special price ... from you ... for me?"

Endlich ein bescheidener Punktsieg für mich, schließlich greift Mr. Taylor zum Taschenrechner und mit flinken Fingern scheint er eine individuelle Kalkulation einzugeben. Das geht so eine ganze Weile, diesen "special price for me" zu ermitteln. Inzwischen beginne ich leicht zu frieren. Meine Klamotten sind schweißdurchtränkt und im Laden läuft eine gnadenlose funktionierende Klimaanlage. Mr. Taylor dreht mir endlich den Taschenrechner zu und schenkt mir erneut ein gewinnendes Lächeln. Ich kann die Zahl 9.000 vom Display ablesen. Wow, so viel eingetippt, gerechnet, kalkuliert ... und es kommt eine gerade Zahl dabei heraus! Jetzt gehe ich aufs ganze, ich will kein Sieg nach Punkten, ich will den ultimativen K.O.-Schlag! Ich mache einen auf "unsicher" und frage so leicht bestürzt ... 9.000 US$? Mr. Taylor glotzt mich Fassungslos an, die Überraschung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Ja! Das hat voll gesessen! "No, no Sir - only 9.000 Bath for you! My special price for you!" Ich muss lachen. Wo er recht hat, hat er recht. Wie sich noch herausstellen wird.

Aha 9.000 Bath. Also um die 180 Euro oder 280 US$. Ich nicke bedächtig und blättere noch ein bisschen in der Mustermappe. Ich muss meine deutschen Gedanken auf Englisch übersetzen. Du Sack! Ich habe das sichere Gefühl, du willst mich hier ausnehmen. Ins Englische übersetzt heißt das dann: "I am a backpacker and I have no place in my backpack - I am sorry, tomorrow I go to Bangkok and fly home!" Mr. Taylor lächelt mich wieder an. Ganz offenbar ist meine "wörtliche" Übersetzung nicht so wirklich angekommen. Scheiß Englisch! Sein Konter bedeutete nicht nur ein Punktsieg - sondern fast mein K.O.! "Oh Sir, this is realy no problem for you!" Und schon wieder hat dieser clevere Inder das Maßband in der Hand. "I take your size ... we work with very good quality ... and send all with Thai-Post to you! Where you come from? War das nicht schon lange geklärt? Oder grüßt mich jetzt täglich das Murmeltier? From Germany, meine knappe Antwort. Ich liege quasi am Boden, der Punktrichter beginnt zu zählen ... 10, 9, 8 ... wie komme ich aus der Nummer wieder raus?

Ich erhebe mich bestimmt aus dem Ledersofa. Ich denke: Ein guter Schneider nimmt Maß und kontrolliert am Ende die Anprobe: "Sir, a realy good taylor take my size and control the result by fitting. You think so too? Das tapfere Schneiderlein gibt sich noch lange nicht geschlagen. Zumindest aber stehe ich wieder aufrecht im Ring. "I promise to you, you get realy good quality, cheap price and best service. Ich lächel freundlich zurück: "Pleace give me your business-card with adress and telephone." Wer steht kann auch weglaufen. Wer seine Visitenkarte zückt kann mich nicht gleichzeitig festhalten ... doch ich möchte souverän aus dem Ring steigen und so nehme ich die Visitenkarte entgegen und reiche dem tapferen Scheiderlein die Hand. Mit einen festen - unmissverständlichen - Handschlag bedanke und verabschiede ich mich. Thailand, Land des Lächelns! Ein paar Straßen weiter taucht die nächste Schneiderbude auf: Diesmal versenke ich meine Hände gleich in den Hosentaschen. Fest zur Faust geballt. Du kriegst mich nicht zu fassen ... Du nicht!

2008 05 Thailand Pattaya 111 in

Ach ja, da war ja noch die Sache mit den "special price" ... kurz gesagt: Ich sehe wenige Meter später erneut eine Schneiderei und in dessen Schaufenster eine Preistafel. Sakko, Hose und Weste, dazu zwei Hemden und zwei Krawatten ... ab 95 US$. Selbst wenn mir im Laden dann der doppelte Preis abgenommen wird ist das immer noch ein Drittel preiswerter und zwei Hemden mehr. Ich fasse den Entschluss 10 Kilo abzunehmen.

27Apr/080

Frühstück in Pattaya

Die erste Nacht in Pattaya habe ich also in Wodka ersoffen. Tolle Leistung. Den ersten Vormittag … glatt verschlafen … erst am späten Nachmittag wage ich es in die Sonne Thailands zu blinzeln. Von wegen Sonne: Der Himmel duster und mit schweren Wolken verhangen. Natürlich: Regenzeit in Thailand. Mein Zimmer liegt im Erdgeschoss mit Ausgang zum Innenhof. Dort liegt ein kleiner Pool. Völlig menschenleer. Sehr schön! Die Luft ist warum und feucht … nicht unangenehm aber ich komme quasi aus dem europäischen Winter und mir läuft der Schweiß die Arschbacken hinunter. Ab in den Pool um ein paar kleine Bahnen zu ziehen. Klasse!

Das Hotel ist vorwiegend auf Russen eingestellt und befindet sich unweit vom Pattaya Beach in einer Soi (Nebenstraße). Weitläufige Grünanlagen gibt es an dieser Stelle nicht. Alles ist zugebaut, jeder einzelne Quadratmeter! Und beileibe nicht nach deutschen Bauvorschriften. Ein Merkmal, das mir später auch ganz massiv in Bangkok auffallen wird. Kleine, enge und dunkle Wohnräume. Keine Grünflächen, die Freiflächen bilden die Straßen. Somit ist klar, warum sich soviel Leben auf der Straße abspielt. Wie auch immer, auf Bangkok komme ich später noch zurück … nun erstmal Pattaya.

Pavel, so der Name des Hotelchefs (der Besitzer? glaube ich nicht!) empfängt mich mit einen breiten Grinsen, als ich an die große hufeisenförmige Bar in der Lobby trete. Und recht schnell werde ich lernen: Die Bar ist Rezeption und gesellschaftlicher Mittelpunkt dieses Hauses. Zwei, drei Kerle sitzen gemeinsam mit ihren süßen „Thaimäusen“ an der Bar und zischen ein Cocktail oder ein Bier. Mir knurrt der Magen und ich brauche ein Frühstück. Innerhalb der Bar wuseln weitere hübsche Thaimädels und bedienen die Gäste oder führen Buch über die Einnahmen. Das offene Ende der Bar ist mit der Küche verbunden. Ich schaue Pavel an und der grinst: „Frühstück?“ Ich knurre ein „da da!“ und Pavel kommandiert seine Mädels im Kasernenton. Übrigens auf Thai! Wenige Minuten später landet vor mir ein großer Teller mit Eier, Speck und Würstchen, voll Fett! Mir dreht sich bei so einer deftigen Mahlzeit der Magen um. Aber das strahlende Lächeln der Serviererin lässt mir keine Chance zur Flucht und außerdem schiebe ich echt Kohldampf! Und schließlich flötet sie mir zu: „Do you like a drink?“ Ich bestelle mir ein Wasser und sie fragt zuckersüß „me too?“ Ich runzele die Stirn … „yes, if you like“ … und wende mich dann den Eiern zu. Hallo? Gemeint sind die Frühstückseier auf dem Teller!

Pavel (sitzt mir am „Hufeisen“ gegenüber) erzählt mir irgendwas von „Business“ und verlässt dann die Lobby des Hotels. Vor der Tür parkt sein getunter 500er Mercedes SL … er legt einen Kavalierstart hin und verschwindet um die Ecke. Nein, er ist trotzdem nicht Besitzer des Hauses – da wette ich drauf! Aber um Pavel geht es hier eigentlich nicht sondern um den plötzlichen Stimmungswandel an der Bar und ein weiser Spruch bewahrheitet sich aufs neue: Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Denn nun fangen die Damen hinter der Bar an zu schnattern und zu gikkern … als hätte jemand den Ton aufgedreht. Alles für mich völlig unverständlich in ihrer Thaisprache. Ihre vorher ruhigen Bewegungen und Tätigkeiten werden nun wild und ungezwungen ausgeführt. Die Buchhaltung verschwindet in der Schublade und ich lache mir lauthals einen Ast. „You like a beer?“ spricht mich meine „Serviererin“ erneut an. Ich verneine mit dem Kopf … „not in the morning, please“ … allerdings im Bewusstsein, das die Urzeiger unmittelbar vor der 17-Uhr-Marke stehen. Sie lacht mich an … „my name is Tuk“ und ich so „hi Tuk“ und sie wieder „maybe we drink a beer together“ und ich so „O.K., why not“ … Durst hatte ich ebenfalls und Wasser ist eben „nur“ Wasser.

Ein kleiner Wortwechsel mit Tuk (ich muss hier ja echt nicht alles schreiben) und schließlich hatte ich mein Frühstück so halbwegs verputzt, dazu ein Wasser und ein Bier. Gesunde Vollwertkost. Der Gegenwert wurde meiner „Zimmernummer“ belastet. Tuk blieb ebenfalls nicht auf dem trockenen sitzen. Hoffentlich hat am Ende meine „Zimmernummer“ die dringend notwendige Wechselwährung. Ich verschwinde kurz im Zimmer um die Kamera zu holen, um endlich für mich Thailand zu entdecken. Auf meine Weise und ohne Wodka! Apropos Wodka: Von Sascha und Sascha gibt es zu dieser Zeit noch keinerlei Spuren! Ich trete aus dem klimatisierten Hotel … Hitze, Luftfeuchtigkeit und Lärm empfangen mich.

26Apr/082

Ankunft in Thailand

Die obligatorische Passkontrolle am Flughafen in Bangkok. Vermutlich sind drei oder noch mehr Maschinen gleichzeitig gelandet, dem entsprechend lang sind die Warteschlangen an den thailändischen Passkontrollen. Ich tausche zweimal die Schlange bevor etwas weiter voran geht. Und was passiert? Ich gerate in die Warteschlange mit Touristen aus Russland. Da ist zeitgleich eine Maschine aus Moskau gelandet. Ich verstehe ihre Worte gar nicht so schlecht. Eigentlich wäre nichts besonderes passiert. Nur, nachdem ich mehrfach von hinten angerempelt wurde, fand ich ebenfalls ein paar nette Worte auf Russisch. Schon war ich im Gespräch, freiwillig unfreiwillig. Egal, so ließ sich wenigstens die etwas lästige Wartezeit an der Passkontrolle überbrücken. Schlussendlich: Passkontrolle mit extra Fotoshooting durch die thailändischen Behörden, Gepäck vom Laufband geschnappt und dem nächsten Geldautomaten - mit Hilfe der Kreditkarte - die hiesige Währung entzogen.

In Thailand bezahlt man mit Bath. Dabei entsprechen knapp 50 Bath einen Euro. Die Umrechnung ist für kleine Beträge ganz einfach: Den ausgewiesenen Preis in Bath verdoppeln und schon erhält man den Betrag in Eurocent. Wenn also das Essen einer Garküche 25 Bath kostet … mal zwei … sind das umgerechnet 50 Cent. Kapische? Große Beträge in Bath lassen sich natürlich bequem durch den Kurs von 50 teilen. Der genaue Kurs liegt bei 49 und ein paar zerquetschte. Aber hallo, ich mache Urlaub und keinen Devisenhandel!

Orientierung. Ich flog ohne besonderen Plan nach Bangkok. Wollte nun mit dem Bus oder mit dem Taxi in die Stadt fahren. Ins Gebiet um die Khaosun Road, dort wo alle Rucksacktouristen, welche Bangkok besuchen, früher oder später einmal stranden. Im „alten“ Bangkok gibt es unzählige Hotels und Guesthouses. Um die Übernachtung war mir also alles andere als bange, zumal im Moment die Nebensaison anläuft. Wie es der Zufall will, treffe ich zwei Russen, mit denen ich zuvor an der Passkontrolle geflachst hatte. Sascha und Sascha, als ob es keine anderen Namen in Russland geben würde. Die beiden wollen nach Pattaya und suchen noch jemanden um die Taxikosten zu teilen. Was für ein Lacher, wie sich später noch herausstellen wird. Pattaya steht nun so gar nicht auf meiner Wunschliste … trotzdem lasse ich mich bequatschen und wir chartern zu dritt ein Taxi nach Pattaya. Also werde ich am ersten Abend in Thailand Wodka saufen!

Das Taxi vom Flughafen bis zum Strand von Pattaya kostet 1500 Bath. Also ungefähr 30 Euro, für eine Strecke von über 100 Kilometer kein Geld. Soll man meinen. Kaum steige ich aus dem Auto, springen mir Angebote mit dem Taxi von Pattaya zum Flughafen für 800 Bath ins Gesicht. Gute 16 Euro. Sascha bezahlt die ausgemachten 1500 Bath, was der Taxifahrer mit einen breiten Lächeln quittiert. Ich bin bestimmt nicht geizig, aber das Fell lasse ich mir nur ungern über die Ohren ziehen. „Meine“ beiden Russen lachen … scheiße, ich bin doch geizig! Im Hotel werden meine „neuen Freunde“ wie „alte Freunde“ begrüßt. Und in der Tat, die Burschen kommen sage und schreibe alle drei (!) Monate nach Pattaya. Der Hausherr (ein Russe) spricht sogar ein paar Brocken Deutsch. Schließlich war er als Soldat in der DDR stationiert. Und so bekomme ich ein geräumiges Zimmer mit allen Komfort für 800 Bath die Nacht. Inzwischen könnt Ihr selbst in Euro umrechnen. Sascha, Sascha und ich … wir … treffen uns am späteren Abend in der Lobby um endlich um die Häuser zu ziehen. Als ich im Morgengrauen mein Hotelzimmer erreiche, denke ich mir noch, eigentlich hätte ich auch Urlaub in Odessa machen können. Ich wache erst am späten Nachmittag Ortszeit auf.

Notizen und erste Eindrücke am Rande:

  • Als ich in Bangkok aus dem Flughafengebäude trat, traf mich fast der Schlag: Das abendliche Bangkok empfing mich als ausgesprochen tropische Waschküche. Die Brille beschlug blitzschnell und unmittelbar beginnt der Schweiß zu rinnen. Kaum fünf Minuten später saß ich im Taxi, mit Klimaanlage am Anschlag und nach wenigen Minuten war mir zum Zähne klappern kalt.
  • Meine zwei neuen „Freunde“ arbeiten in der Erdölexploration und verdienen damit ein richtiges Schweinegeld. Ob sie nun selbst als Unternehmer oder Subunternehmer arbeiten … haben sie versucht mir zu erklären, ich habe die Zusammenhänge (trotz ausreichend Wodka) nicht so recht verstanden. Und? Russian Business eben! Aber ein Taxi muss nun wirklich keiner von den beiden teilen.
  • Zur goldenen Mitternachtsstunde sind Pattaya´s Straßen in Strandnähe und insbesondere in der „Walking Street“ randvoll mit Menschen. Muss man mögen. Dazu Taxen und ganze „Bienenschwärme“ von Motorrollern. Überall steigen einen die Düfte von Garküchen in die Nase. Ganz nebenbei promoten zahlreiche Thai-Girls lautstark ihre jeweilige Gogo-Bar. Alles in allem brodelt es auf der Straße.
  • Die Seitengassen beherbergen alles mögliche an Kleingewerbe. Was das Herz begehrt, es dürften somit kaum Wünsche offen bleiben: Roller-Werkstätten, Massagesalons, Restaurants, Gästehäuser, Reisebüros, Tattoo-Studios, Malergalerien, Schneidereien oder Wäschereien. Dazu zahllose Händler für Kleidung, Schuhe und Nippes aller Art. Das Warensortiment ist bunt und endlos, kein Wunder, China liegt gleich um die Ecke.
  • Auffallend und praktisch sind die zahlreichen 7eleven-Läden, wo es rund um die Uhr und für relativ kleines Geld eiskalte Getränke, Snacks und wichtige Kleinigkeiten zu kaufen gibt. Hier kann man sich problemlos einen 1000-Bath-Schein „klein machen“ lassen. Diese Shops gibt es alle paar hundert Meter. Kundschaft läuft ja genügend rum hier.

25Apr/080

Zwischenlandung in Doha

25.04.2008

Am 24. April gegen 23:00 Uhr startet der Airbus in München um am frühen Morgen (5:30 Uhr Ortszeit) am Flughafen in Doha zu landen. Doha („Die Bucht“) ist die Hauptstadt des Emirat Katar und das kleine Land ragt als ovale Halbinsel in den Persischen Golf. Im Süden ist die Halbinsel mit dem Nachbarstaat Saudi-Arabien verbunden. So klein (11.437 km²) das Emirat auch sein mag, so reich ist es an Gas- und Ölvorkommen. Katar, mit seinen knapp 800.000 Einwohnern, gilt als die reichste Nation in Asien. Unter dem Meeresspiegel lagern die drittgrößten Erdgasreserven der Welt. Der Reichtum diese Emirates liegt natürlich im Öl begründet und die weltweit steigenden Preise werden dafür sorgen, dass sich dieser Reichtum weiterhin multipliziert.

Bei lediglich zwei Stunden Aufenthalt am Flughafen von Doha, lohnt kein Trip in die Stadt. Leider! Der Flughafen selbst wirkt alles andere als aufregend. Da sind die Menschen selbst schon wesentlich interessanter. Vom Kameltreiber bis zum Scheich ist hier ganz offenbar alles vertreten. Dazu zahlreiche Pakistani, Inder und Indonesier, die als Gastarbeiter in Katar ihr Geld verdienen. Nicht zuletzt: Ein paar westliche Rucksacktouristen - so wie ich eben auch. Ich packe meinen Eee PC aus und finde sofort kostenlosen W-LAN-Zugang. Klasse! So tippe ich meine ersten Texte und schreibe die eine oder andere eMail.

Ehrlich gesagt, die Araber wirken alles andere als sympathisch auf mich. Da bin ich ganz offensichtlich durch die westlichen Medien und durch die Ereignisse der jüngeren Geschichte geprägt (Stichwort 11. September). Ich will den negativen Gedanken weiterspinnen, doch ein klitzekleines Erlebnis schubst mich in eine völlig andere Richtung: Eine arabische Familie weckt meine Aufmerksamkeit, als sie durch die Wartehalle geht - nein - schreitet. Der Stolz aus Tausend und einer Nacht: Er, schlank, sehr hoch gewachsen, im traditionellen weißen Gewand gekleidet und mit einer rot-weißen Kufiya bedeckt. Scharfe Gesichtszüge - die eines Raubvogels. Aber trotzdem keineswegs unangenehm. Vielmehr klug und selbstsicher.

Sie, ebenfalls sehr groß, im nachtschwarzen und mit winzigen Perlen bestickten Gewand. Das Gesicht ist bis auf die Augen vollkommen verschleiert. Sie geht Hand in Hand mit dem kleinen Sohn. Schwarze Locken, bunt gekleidet, in T-Shirt und kurzen Hosen, genauso wie wir unsere Kinder anziehen würden. Jedenfalls: Beim Vorbeigehen schaut sie zu mir rüber und für einen kurzen Moment kreuzen sich unsere Blicke. Große dunkle Augen. Stolze Augen. Ein Lächeln huscht über meine Lippen - um dann verlegen meinen Blick wieder auf die Tastatur zu richten. Sie „schweben“ vorbei, ich schaue noch einen Moment hinterher und denke: Welche Ausstrahlung diese Frau wohl ohne Schleier besitzt?

Der Anschlussflug (gegen 8:00 Uhr Ortszeit) von Doha nach Bangkok verläuft problemlos. Was soll auch sein? So ein Airbus kommt immer zurück auf den Boden. Der Service an Bord ist ebenfalls kein Thema. Mahlzeiten oder Kaffee servieren - das schafft heutzutage jede Fluggesellschaft. Die Zeit vergeht dank Bord-Entertainment wie im Flug, ganz ohne Langeweile. Mir stehen unzählige Filme und Musiktitel zur Auswahl. Gegen 19:00 Uhr Ortszeit erfolgt die Landung auf dem neuen Flughafen Bangkok-Suvarnabhumi (seit 2006 in Betrieb). Die Zeit schrieb im September 2006 einen lesenswerten Artikel zum neuen Flughafen “Suvarnabhumi” in Bangkok:

Start frei im Sumpf

Rund sechs Stunden Flugzeit von Doha aus und zusätzlich fünf Stunden Zeitverschiebung. Sechs Stunden beträgt die Zeitverschiebung aus deutscher Sicht. Alles in allem, von München nach Bangkok in rund 14 Stunden. Nebenbei mache ich folgende kleine Rechnung auf: Ein Airbus A330 benötigt ca. 850 Liter Kerosin auf 100 Kilometer. Von München nach Bangkok dürften es 10.000 Kilometer Flugstrecke sein. 85.000 Liter Kerosin! Im 1. Quartal 2008 kostete die Tonne (ca. 1200 Liter) Kerosin durchschnittlich 950 US$. Also: 85.000 Liter sind rund 71 Tonnen - mal 950 US$ je Tonne - macht rund 67.500 US$ oder 45.000 Euro.

Alles einfache Strecke! Ich bin noch nicht zurückgeflogen. Also 90.000 Euro für Kerosin. Eine A330 fasst 300 Passagiere und “meine” Flüge waren zu zweidrittel ausgelastet. So komme ich auf eine persönliche Kerosinrechnung in Höhe von 450 Euro. Das bei einen Ticketpreis von 539 Euro. Gut, es kommen Einnahmen aus der ersten Klasse und für das passagierunabhängige Frachtaufkommen hinzu. Auf der anderen Seite stehen allerdings Abschreibung (Leasing) und Wartung der Fluggeräte. Die Personalkosten, Flughafengebühren und das Mittagessen der Fluggäste. Ich habe unzählige Kostenfaktoren vergessen. Es wird eng für die Fluggesellschaften.

21Apr/080

Reisevorbereitungen

Wer nun von mir einen Reiseführer erwartet, den muss ich an dieser Stelle gleich mal enttäuschen. Reiseführer gib es schon wie Sand am Meer, gedruckt als gutes Buch oder digital publiziert im Internet. Ich erzähle an dieser Stelle lediglich ein paar persönliche Erlebnisse und Eindrücke. Fotos wird es natürlich auch geben, ich besitze jede Menge davon. Auf meiner Reise werde ich locker über 3000 mal den Auslöser der Kamera betätigen. Über 20 GB an Fotodaten. Zugegeben: Die Quantität steht natürlich nicht unbedingt für die Qualität.

Bangkok! Wieso ausgerechnet Bangkok? Es hätte auch Djakarta, Hongkong, Seoul, Singapur oder Taipeh werden können. Aber meine Wahl viel auf die berühmt-berüchtigte „Stadt der Engel“ und das aus gutem Grund: Thailand ist ein völlig unkompliziertes Reiseland und es bietet mir „alles“ was Südostasien in diesem Moment für mich ausmacht. Eine ganze Weile hatte ich Vietnam im Visier meines Interesses. Dort sind die touristischen Pfade noch nicht so weit ausgetrampelt wie etwa in Thailand. Auch nimmt Vietnam derzeit kräftigen Anlauf um an der globalen Entwicklung den Anschluss zu finden.

Ausschlaggebend war am Ende der Ticketpreis für die Flugverbindung: Bangkok liegt flugtechnisch ganz einfach „näher“ dran als zum Beispiel Saigon (ja klar, seit 1976 heißt Saigon offiziell Ho-Chi-Minh-Stadt). Warum nicht gleich China oder Indien als Reiseziel? Keine Sorge, diese Länder werde ich in den kommenden Jahren besuchen, sofern mir bis dahin nix dazwischen kommt.

Die Reisevorbereitungen laufen an und mich quält dabei ein einziger Gedanke: Viel zuviel Gepäck! Schließlich muss alles in einen Rucksack (65 Liter) passen. Mehr will ich keinesfalls mitschleppen. Ich möchte mich durch das „Land des Lächelns“ treiben lassen und da stört jedes Überflüssige Gepäckstück! Ich versuche mit „Gewalt“ mein Equipment (Foto und Video) auf ein Minimum zu beschränken. Als ich mein gutes “altes” Notebook in den Rucksack packe, stehe ich praktisch unmittelbar vor der Verzweifelung. Nee, zu viel Ballast!

Kurzerhand fahre ich nach München und leiste mir im Fachhandel für rund 300 Euro ein Subnotebook: ASUS Eee PC. Im Vergleich zum Apple-Design wirkt das weiße Gehäuse unspektakulär und bescheiden (etwas billig). Doch dafür steht mir auf der Reise ein richtiger Rechner zur Verfügung. Kein Kilo schwer und nicht viel größer als ein Taschenbuch! Zugegeben: Die Prozessor-Leistung reicht nicht für die professionelle Fotobearbeitung. Zum Schreiben und für Onlineaktivitäten reicht der Minirechner allemal. Genau das, was ich brauche. Ideal um unterwegs die vielen Gedanken zu ordnen.

Installiert sind auf dem Rechner Linux und OpenOffice. Dazu viel kleine nützliche Gimmicks und simple Spielchen. Einschalten und durchblicken! Das System ist intuitiv und man gewöhnt sich ganz schnell an die Handhabung. Windows? Wozu? Auch mit der Tastatur komme ich ganz gut zurecht, zumal ich nun wirklich keine Wurstfinger habe. Der 7-Zoll-Monitor (800 Pixel breit) ist ausreichend. Das Nachfolgemodell soll ein 10 Zoll großes Display erhalten (1024 Pixel breit, ohne das der Rechner größer wird). Das ist dann nahezu perfekt für unterwegs. Fazit: Ich freue mich über meine neue Errungenschaft und überspiele mir ein paar wichtige Daten.

Mein Ticket buche ich für 539 Euro bei Quatar Airways und so fliege ich mit Zwischenlandung über Doha. In der Tat schaffe ich das gesamte Gepäck in einen Rucksack. Super! Wenn ich Kameras und Computer (als Handgepäck) rausnehme ist der Rucksack praktisch fast halbleer. Kein Wunder, bleibt dann nur noch die Zahnbürste, Duschgel und ein wenig Wechselwäsche übrig. So kann ich mich wirklich durch das „Land des Lächelns“ treiben lassen.