tapatapatu written by Tomik

26Apr/102

Reistipps für Tschernobyl 2

Aufenthalt in der Tschernobyl-Zone

Der Aufenthalt in der Tschernobyl-Zone ist grundsätzlich gefährlich aber gleichzeitig berechenbar. Was ich Dir damit sagen will: Der Besuch, von einigen Stunden in der Sperrzone, ist kein wirklich hohes Risiko für die eigene Gesundheit. Die Strahlenbelastung während eines Fluges über den Atlantik gilt auch nicht als hohes Gesundheitsrisiko. In der Stadt Tschernobyl arbeiten und leben bis heute viele Hundert Menschen, welche die Zone verwalten, das ehemalige Kraftwerk vor dem kompletten Einsturz bewahren oder im dienste der Wissenschaft Forschung betreiben. Sie leben und arbeiten im 14-Tage-Rhythmus, mal innerhalb der Zone und dann außerhalb der Zone.

Wenn das alles so harmlos ist, warum dann eine 30-Kilometer-Sperrzone um den havarierten Kernreaktor? Nach der Explosion im Reaktor IV wurde radioaktives Material in die Luft geschleudert. Die Radioaktivität hat sich chaotisch verteilt. Regelrecht radioaktiv verseucht wurde ein nördlicher Teil der heutigen Ukraine und der Süden des heutigen Weißrusslands. Eine Fläche, welche zigfach größer ist, als die eigentliche Sperrzone von Tschernobyl.

Die unmittelbare Gefahr für Dich sind so genannte Hotspots. Das sind Orte oder Gegenstände mit besonders hoher Radioaktivität. Stellen, an denen Du Dir in wenigen Stunden einen Schaden fürs Leben holen kannst. Diese Hotspots liegen logischerweise vermehrt um den eigentlichen Explosionsort. Möglicherweise machst Du Dir keine richtige Vorstellung davon, welcher Dreck in der Nacht des 26.04.1986 in die Luft geschleudert wurde. Die fetten Brocken vielen in der unmittelbaren Umgebung zurück auf den Boden. Die feinen Partikel zogen in hohen Luftschichten und legten sich über halb Europa auf den Boden. Wie auch immer: Die heutige Geisterstadt Pripyat, mit einst 50.000 Einwohnern, liegt nur drei Kilometer Luftlinie vom Reaktov IV entfernt.

Du möchtest also wirklich Tschernobyl und Pripyat besuchen? Genauso gut kannst Du ein Minenfeld im Kosovo durchqueren. Das hat in etwas den gleichen Kick. Radioaktivität kannst Du weder sehen, schmecken noch riechen. Aufspüren lassen sich „Hotspots“ nur mit dem Geigerzähler. In Pripyat gibt es einige heiße Stellen, vor allem unten am gleichnamigen Fluss. Einen eigenen Geigerzähler zu besitzen ist in der Tschernobyl-Zone kein Nachteil. Ein ordentliches Gerät ist allerdings nicht ganz billig. Zumindest sollte ein erfahrener Scout ein solches Messgerät mitführen, um Dich von gefährlichen Orten fernzuhalten.

In Pripyat hatte ich das Privileg, mich wirklich frei bewegen zu dürfen. Das Ergebnis waren jede Menge Fotos und persönliche Eindrücke, die sich sehr tief in mein Gedächtnis gegraben haben. Selbstverständlich wirst auch Du Fotos knipsen und Videos drehen. In wie weit Du Dich dabei frei bewegen kannst, hängt einerseits von der Reiseleitung und andererseits von Deiner Risikobereitschaft ab. Es gibt in der Geisterstadt kein Gesetz und keine Verordnung, jede Reisegruppe trägt für sich selbst Verantwortung. Wie eine Exkursion letztendlich verläuft, liegt im Ermessensspielraum der Gruppe. Klar, je geringer die Teilnehmerzahl um so flexibler die Unternehmung.

Derzeit konnte ich in die Häuser laufen, die ganzen Stockwerke hoch, um von den Dächern Fotos zu schießen. Mein wohlgemeinter Rat für Dich: Aufpassen, aufpassen und noch einmal aufpassen! Ein simpler Sturz im Treppenhaus oder ein waghalsiges Klettermanöver für das bessere Foto, könnte fatale Folgen auslösen. Vor allem dann fatal, wenn Du Dich alleine zu weit von Deiner Gruppe entfernt hast. Pripyat ist eine Geisterstadt, hatte aber mal fast 50.000 Einwohner und ist entsprechen groß. Also immer den Anschluss mit dem verantwortlichen Tschernobyl-Scout halten und wenn schon eine Extratour, dann niemals völlig alleine. Schließe Dich mit ein oder zwei Gleichgesinnten zusammen. Handyfunktion, Rettungswagen oder ähnliche Scherze kannst Du in der Geisterstadt vergessen! Die Tour geht auf eigene Gefahr. Tipp am Rande: Ein paar Walki Talki mit frischen Batterien.

Reisetipps für Tschernobyl (1)
Reisetipps für Tschernobyl (3)
Checkliste

26Apr/100

Reistipps für Tschernobyl 1

Liebe Leser,

hier meine persönlichen Erfahrungen und zusätzlich ein paar Tipps für Deine Reise in die Ukraine und nach Tschernobyl.

Anreise, Sprache und Übernachtung

Flugverbindungen nach Kiew gibt es mehr als genug. Ich persönlich fliege zumeist mit der Malev über Budapest. Alternativ nutze ich für meine regelmäßigen Flüge die tschechische CSA oder die polnische LOT. Das sind heutzutage alles sichere Fluggesellschaften mit modernen Fluggeräten. Linienflüge von München nach Kiew kosten - je nach Buchungsvorlauf - zwischen 250 und 350 Euro. Die Lufthansa bietet Direktflüge, allerdings vergleichsweise zum doppelten Preis.

Update: Inzwischen bieten Low-Cost-Carrier regelmäßig Flüge nach Kiew an. Bei Wizzair gibt es den einfachen Flug schon mal für 50 Euro. Die Fluggesellschaft hat ihren Sitz in Budapest. Die Flotte besteht aus nur einen Flugzeugtyp, dem Airbus A320 und die Maschinen sind im Schnitt weniger als drei Jahre alt. Wizzair bietet Direktflüge von Köln, Dortmund und München-Memmingen nach Kiew an.

Das Schulsystem der ehemalige Sowjetunion war durchaus anspruchsvoll. Doch die Weltsprache des Klassenfeindes war kein Bestandteil im Stundenplan. Jedenfalls nicht für die breite Bevölkerung. Erst nach der Wende hat sich das grundlegend geändert: Unter jungen Leuten kommst Du in Kiew, mit der englischen Sprache, ganz gut klar. Im allgemeinen erwarte bitte keine Wunder, die meisten Menschen haben kaum oder äußerst begrenzte westliche Sprachkenntnisse. Das liegt oft weniger an der Bildung, als vielmehr an den begrenzten Möglichkeiten, die gelernte Sprache auch zu sprechen. Mit anderen Worten: Ein paar Brocken Russisch sind echt hilfreich und öffnen Dir Türen und Herzen der Ukrainer. Selbstverständlich überlebst Du auch ohne Grundkenntnisse der russischen Sprache eine Reise in die Ukraine. Doch diese Reise wird dann nur halb so schön.

Am Flughafen Kiew-Borispol zum Beispiel ist Englisch kein Problem. Doch schon am Bahnhof oder am Busterminal könnte es schwierig werden, zumal die kyrillischen Schriftzeichen für zusätzliche Verwirrung sorgen. Zurück zum Flughafen: Die meisten Taxi-Fahrer sprechen kein Englisch. Also Vorsicht bei der Verhandlung um den Fahrpreis. Gerade die Taxifahrer am Flughafen sind richtig frech. Ein Taxi vom Flughafen in die City darf nicht mehr als 30 Euro kosten. Ohnehin gestaltet sich der Transfer vom Flughafen in die Stadt mit dem Linienbus am günstigsten. Alle Linien führen nach Kiew hinein und über den Moskauer Platz: Dort befindet sich der Hauptbahnhof, der zentrale Busbahnhof und die Metro. Kiew hat übrigens ein vorzüglich ausgebautes U-Bahn-Netz.

In Kiew gibt es eine Reihe von Hotels. Aber das Angebot ist nicht ausreichend und das Preisniveau ausgesprochen hoch. Mindestens 60 US$ pro Nacht und Nase musst Du schon kalkulieren. Keine Ahnung, wie das eigentlich bei der Fußball-Europameisterschaft 2012 laufen soll. Neue Hotels sind geplant und werden auch gebaut, doch weniger für die Low-Budget-Kategorie. Es ist nicht so als gäbe es in Kiew keine günstigen Hotels, doch Du musst Dich vor Ort auskennen oder Kontakte haben und eine Reservierung via Internet läuft nicht.

Zu den Hotels gibt es eine gute Alternative: Ein paar Agenturen bieten via Internet komplett eingerichtete Wohnungen zur Miete an. Wohnungen gibt es ab 50 US$ pro Nacht und zwei, drei oder vier Gäste kommen da prima unter. Eine Küche ist vorhanden, vor allem aber Telefon und Internet. Der Preis für eine Wohnung richtet sich nach Größe, Ausstattung und Lage. Die erste Zeit in Kiew habe ich diesen Service genutzt und unter dem Strich nur gute Erfahrungen gemacht. Wohnung auf der Webseite ausgewählt, die erste Übernachtung per Kreditkarte angezahlt und schließlich vor Ort in Kiew einen Mitarbeiter der Agentur getroffen. Der hat mich zur Wohnung gebracht, die Schlüssel übergeben und die Miete in bar kassiert. Bis zum Ende der Mietzeit hatte ich meine eigene Wohnung in Kiew. Kein Stress, keine blöden Frage, vollkommen unabhängig und für hiesige Verhältnisse sicher.

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