tapatapatu written by Tomik

16Jun/060

Das Künstlerviertel

Mit dieser persönlichen Geschichte möchte ich Ihnen einen kleinen Einblick in das bunte Künstlerviertel von Kiew geben. An diesen Ort wurde die Idee geboren und der praktische Grundschein gelegt: für die Kunstgalerie "tapatapatu".

Ein Aushängschild der Stadt Kiew ist Andrewski Spusk (Andreas Abstieg). Als Ausländer war man nicht wirklich in Kiew, ohne die Straße besucht zu haben. Hier bieten Künstler und Handwerker aus der ganzen Ukraine (teilweise sogar aus Russland) ihre Werke und Produkte zum Kauf an. Der Straßenzug beginnt an der Andreas-Kirche und zieht sich den Andreas-Hügel herunter nach Padol – dem ältesten Stadtteil Kiews.

Schon auf Vladimirskaja, praktisch der Hauptstraße vor der Andres-Kirche, stehen links und rechts vom Straßenrand die Maler und Händler. An zahlreichen Ständen wird handwerkliches Kleinod neben sowjetrussischen Reliquien angeboten. Von den weltberühmten Matruschkas (Matruschka = Mütterchen) in allen Größen, Farben und Varianten, bis hin zur Armee-Mütze und Lenin-Fahne. Finden und entdecken kann man viel und kaum ein Ausländer gibt auf Andrewski Spusk nicht ein paar Dollar, Euro oder Griwnja aus.

16Jun/060

Der Besenhändler

Schade, dass ich die russische Sprache nicht spreche. Ich denke, dann würde ich pausenlos Anekdoten und Geschichten schreiben. So kann ich eigentlich nur das wiedergeben was mir Anna, meine Übersetzerin, erzählt oder simultan übersetzt.

Hier ist ein Markt noch ein Markt. Eine riesige Halle beherbergt dutzende von Ständen an denen Lebensmittel aller Art angeboten werden. Obst, Gemüse und Fleisch. Einen Stockwerk höher gibt es Kleidung, Spielzeuge oder elektrische Geräte. Stand an Stand. Der eine bietet Schuhe an, daneben gibt es Hosen und Jacken. Einen Stand weiter finden sich Gürtel, Ledertaschen und so weiter. Die unmitelbaren Stände machen sich keine Konkurrenz. Der nächste Schuhstand ist praktisch im anderen Eck der riesigen Markthalle.

16Jun/060

Die Putzfrau

Über das Thema Putzfrauen könnte ich hier viel schreiben, denn ich habe 10 Jahre Erfahrung in der Gebäudereiniger-Branche hinter mir. Vielleicht werde ich eines Tages darüber scheiben, aber jetzt habe ich noch nicht die notwendige Distanz dazu. Wie dem auch sei. Die Reinigungskräfe in deutschen Büros und Geschäften verhalten sich in der Regel leise und eher unterwürfig. Eigentlich nimmt man sie vielfach nicht wahr, denn sie reinigen am Abend oder in der Nacht, wo Büromenschen oder Kunden längst zu Hause sind und den Feuerabend genießen. Anders meine Erfahrungen in Kiew:

16Jun/061

Die Partnervermittlung

Die schönsten Geschichten schreibt das wahre Leben, hier erzählt von Anna Kanikowska aus Kiew. Dazu sollten Sie noch folgendes wissen: Zum Zeitpunkt dieser Erzählung wurde das ukrainische Volk lediglich durch eine Hand voll Frauen im Parlament vertreten.

Eines Tages rief mich eine mir unbekannte Frau an. Sie wollte mich treffen, weil sie unbedingt und so schnell wie möglich heiraten wollte. Ich fragte nach ihrem Alter und mit der Antwort war mir sofort klar: Das erzeugt nur Kopfschmerzen – die Frau war schon 51 Jahre alt. Sie schloss das Telefonat mit den Worten: „In 40 Minuten holt Sie mein Fahrer ab!“ Nach 40 Minuten verließ ich meine Wohnung und unten an der Haustür empfing mich wirklich der Fahrer. Mit kühler Höflichkeit vergewisserte er sich, dass ich auch wirklich diejenige war, die es abzuholen galt.

16Jun/060

Das Übersetzungsbüro

Ein sehr schönes Beispiel dafür, wie man in der Ukraine "RUSSIAN BUSINESS" macht. Erlebt und erzählt von Anna Kanikowska. Um das "Feeling" der Geschichte zu erhalten, habe ich den Text so wörtlich wie möglich niedergeschrieben.

Ich wollte einen Vertrag von Ukrainisch auf Deutsch übersetzen lassen. Dafür hatte ich einen fertigen Text aus einer Anwaltskanzlei bekommen. Alles wollte ich professionell haben – mit den genauen Redewendungen und Fachausdrücken. Deswegen habe ich gedacht, 20 US$ sparen retten mich nicht und ich investiere den Betrag in ein Übersetzungsbüro und bekomme alles fertig. In Kiew gibt es mehr als 40 offiziell registrierte Übersetzungsbüros. In der Nähe meiner Wohnung gibt es zwei Büros aber ich dachte mir besser in die Stadt fahren, wo es sicherlich die besten Büros gibt. So habe ich ein paar Büros auf Krestschatik angerufen, Preise und Geschwindigkeit waren immer dasselbe. So habe ich ein Büro in Nähe der U-Bahn ausgewählt.

30Mrz/060

Einmal Kiew und zurück

Der Flughafen München ist morgens um kurz vor 7:00 Uhr noch weitgehend leer. Ich gehe zum Schalter der Swiss Air um einzuchecken. Die Schlange ist kurz (ich bin der einzige) und die Dame der Swiss Air ist freundlich. Mit meinem verbliebenen Handgepäck wandere ich zur Abflughalle. Passkontrolle und anschließend wird mein Handgepäck auf Bomben und ähnliche Scherze mehr untersucht – allerdings ohne Ergebnis (alles andere hätte sicherlich mehr mich als den Bundesgrenzschutz überrascht).