tapatapatu written by Tomik

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München Stadtführer

Das Olympiastadion

Wenn sich die Sonnenstrahlen im Zeltdach brechen, wenn der Morgentau auf dem sattgrünen Rasen perlt, wenn über dem riesigen Rund majestätische Stille liegt und keine Menschenseele zu sehen ist, dann verwandelt sich das Olympiastadion in einen magischen Ort. Jetzt muss man die Augen schließen, damit die historischen Bilder wieder lebendig werden: Der umjubelte Gold-Sprung der 16-jährigen Ulrike Mayfarth, Gerd Müllers Siegtor im WM-Finale von 1974, die rauschenden Meisterfeiern des FC-Bayern und die legendären Stones-Konzerte in den Achtzigern. Manchmal kehrt der Fußball wieder in das Stadion zurück, wenn junge Leute beim Public Viewing wilde Partys feiern. Ein kurzes, ausschweifendes Vergnügen. Aber der Ruhm diese Circus Maximus wird ewig währen.

Der Stachus

Eigentlich heißt er ja Karlsplatz. Aber niemand nennt ihn so, selbst die Tramfahrer sagen „Nächster Halt: Karlsplatz/Stachus.“ Heute ist das Gewohnheit, ursprünglich war es Ausdruck der Unbotmäßigkeit gegenüber dem Landesherrn. Keinem Kurfürsten waren die Münchner mit einer so von Herzen kommenden Undankbarkeit verbunden wie Karl Theodor (1724 – 1799), nachdem der Platz benannt ist, dem aus der Pfalz zugereisten Herrscher, der tun konnte, was er wollte: Sie mochten ihn nicht. Sie nannten den Platz lieber nach einem volkstümlichen Wirt namens Eustachius.

Karl Theodor ließ hier die alten Befestigungen abreißen und einen schönen Platz anlegen. Nicht alle Schönheit hat die Zeit überdauert, der Verkehrsknotenpunkt und das labyrinthische Schattenreich der Tiefebenen sind das, was viele vom Stachus sehen. Zur Innenstadt hin aber hat er nichts von seiner Würde verloren. Die Rondellbauten Gabriel von Seidls hatten römische Thermen als Vorbild, und wie im Mittelalter ist das Tor der Eingang zur inneren Stadt, die dahinter ihr großartiges Panorama entfaltet.

Tipp: Bald hinter dem Tor ein gepflegtes Bier beim Augustiner in der Fußgängerzone nehmen, der schönsten Brauereigaststätte der Stadt.

Der Odeonsplatz

Es ist schon wahr, die Behauptung, München sei die nördlichste Stadt Italiens, ist durch dauernde Wiederholung etwas abgegriffen. Aber auf dem Odeonsplatz versteht man, wie sie entstand. Hier, wo die alte Stadt endet und die lange Achse der Ludwigstraße beginnt, glaubt man an schönen Sommerabenden tatsächlich, eher in Florenz zu sein als im Herzen Bayerns, schon deshalb, weil die Feldherrenhalle, erbaut 1841 von Friedrich Gärtner, ein Abbild der florentinischen Loggia del Lanzi ist.

Daneben steht, gelb vor weißblauem Himmel, die Theatinerkirche in all ihrer barocken Herrlichkeit, eine Stiftung der äußerst kunstsinnigen Fürstingattin Adelaide von Savoyen aus dem 17. Jahrhundert. Erfreulicherweise gehört zu diesem einmaligen Ensemble noch das traditionsreiche Cafe Tambosi; vielleicht wird hier nicht mehr ganz so intensiv „geschmachtet und geseufzt, getändelt und geliebäugelt“ wie nach den Worten eines Chronisten im 19. Jahrhundert, als es der Treffpunkt der Münchner Gesellschaft war. Aber mit einem Milchkaffee auf der Terrasse zu sitzen, gehört immer noch zu den schönsten Münchner Erlebnissen.

Tipp: Mit wenigen Schritten lässt sich dem Trubel entfliehen, durch das Hofgartentor in den stillen Stadtpark, einst Garten des kurfürstlichen Hofs und mit alten Bäumen und Pavillon – einer der besinnlichsten Orte der Innenstadt.

Das Isartor

Eine Insel aus Stein, umbraust vom Verkehr: Das ist das Isartor. Das dieses Bauwerk überhaupt noch steht, verdankt es keinem geringeren als König Ludwig I., dem um 1930 der mangelnde Sinn seiner Landeskinder, speziell der Münchner, für Althergebrachtes missfiel: „Ich kann es nicht sagen, wie leid es mir täte, wenn etwas von diesem Tore niedergerissen würde.“ Seit dem 14. Jahrhundert sicherte das Tor den wichtigen Handelsweg, der quer durch die Stadt zu den Isarbrücken führte.

Die Straße dahinter, die Thal heißt, galt als eine der schlechtesten Gegenden Münchens. Hier lebten Schankwirte, Schweinehalter, Sieder und andere von niederem Gewerbe. Das Tor beherbergt heute das außerordentlich skurrile „Valentinsmusäum“, zur Erinnerung an den tragischen Komiker Karl Valentin (1882 – 1948).

Das Sendlinger Tor

Das Sendlinger Tor ist das kleinste der drei Stadttore, die allein den Abriss der einst gewaltigen Befestigungen Münchens seit dem Ende des 18. Jahrhunderts überlebt haben, wenn auch in sehr veränderter Form. Im Späthmittelalter waren die Türme so wuchtig, dass sie sogar Platz für Geschütze boten. Zwischen seiner Gründung 1158 und dem Einzug der Schweden 1632 hat kein äußerer Feind die gewaltigen Doppelmauern und Tore der Stadt je bezwungen. In ihrem Schutz blühte München auf und die Bürgerschaft brachte viel Zeit und Geld für ihre Pflege auf. Heute ziert das Tor einen schattigen und sehr lebhaften Platz, an dem sich eines der schönsten Kinos der Stadt befindet.

Tipp: München gilt ja nicht gerade als „City that never sleeps“. Anders im Restaurant Lamm´s gleich am Tor, rund um die Uhr geöffnet und ein Treffpunkt für Nachtschwärmer. Ein ordentliches Schnitzel mit Nudeln, Pommes oder Bratkartoffeln gibt es für 6,90 Euro je Portion.

Der Flaucher

Der Flaucher ist ein Abschnitt der Isar im Stadtbezirk Sendling im Süden von München. Die ausgedehnten städtischen Grünanlagen liegen beiderseits des Flusses. Abends an heißen Sommertagen, wenn Rauchschwaden über die Kiesbänke ziehen, wenn selbst das stärkste Isar-Rauschen die Fetzen hysterischen Gegackers und dumpfen Grölens hunderter Grillfanatiker nicht mehr zu verschlucken vermag, wenn die letzten Nackerten in Turnschuhen hin- und herstolzieren, dann ist der Flaucher das, wofür ihn Tausende lieben: Ein großes Stück Spaßgelände mitten in der Großstadt. Das ist einmalig unter Europas Metropolen.

Wer den Flaucher allein von bierseligen Abenden mit Freunden kennt, versäumt allerdings viel vom Reiz des Ortes: Morgens zwischen sieben und halb acht, wenn die Sonne ihre Strahlen schräg durch das grüne Laub schickt und die zarten Nebel zwischen den Bauminseln langsam auflöst, wenn die Luft nach Isar-Gischt und ein bisschen Moder durftet, wenn das Gluckern und Glucksen des Wassers einen betörenden Geräuschteppich über die Szenerie legt, dann lass dich entführen – weit weg aus der tosenden Großstadt.

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