tapatapatu written by Tomik

Reistipps für Tschernobyl 3

Was kann ich Dir noch schreiben? Von Kiew bis zur Sperrzone sind es eine gute Stunde Busfahrt. Mit dem eigenen Auto kommt man – welche Überraschung - nicht in die Sperrzone hinein. Auf dem Gelände des Atomkraftwerks durfte zu meiner Zeit nur der (marode) Sarkophag fotografiert werden. Ansonsten gilt auf dem Werkgelände striktes Fotoverbot. Lass Dich erwischen und Du kannst froh sein, wenn man Dir nur die Kamera abnimmt. Das ist kein Spaß. Ukrainische Sicherheitsleute besitzen einen begrenzten Humor. Das gilt übrigens auch für Fotos am Flughafen oder in der Nähe von Militärstützpunkten. Die Ukraine ist – im Vergleich mit Russland – ein relativ freies Land. Aber nach wie vor gibt es Dinge, die von Behörden nur ungern toleriert werden.

Die (privaten) Ukrainer an sich sind stets gastfreundlich und fast immer hilfsbereit. Hier und da helfen ein paar Euro „Trinkgeld“ weiter, vor allem dann, wenn Du Dich mit den Behörden oder mit der Polizei verstrickt hat. Ist aber an sich kein Thema, wenn Du Dir nichts sonderliches zu schulden kommen lässt. Und überhaupt: Geduld und freundlicher Humor kommen in der Ukraine immer gut an. Aufgrund der Armut gibt es allerdings auch genügend Gaunereien (darüber könnte ich einen eigenen Blog schreiben). Wenn Du also mit Ausrüstung oder Geld protzt, musst Du Dich am Ende nicht wundern, wenn Du ohne Deinen Besitz nach Deutschland abreist. Die örtliche Polizei wird Dir nicht helfen. Die deutsche Botschaft in Kiew ist in solchen Fällen ebenfalls keine besondere Hilfe. Ein hochnäsiger Beamtenapparat, finanziert mit unseren Steuermitteln, der für sich selbst steht.

Noch einmal zurück zur Tschernobyl-Zone: Die Schrotthalden, bestehend aus alten Hubschraubern und Armeefahrzeugen werden immer weniger. Gerade die Fluggeräte wurden zerlegt und anschließend im Erdreich verbuddelt. Teilweise sind die Fahrzeuge hochradioaktiv. Ohne Geigerzähler ist die Nähe zu abgewrackter Technik ein äußerst fragwürdiger Spaß. Nur wie gesagt, die Halden sind zum großen Teil schon „verschwunden“. Und bevor sich vor Ort die große Enttäuschung breit macht: Die Stadt Pripyat ist praktisch vollkommen leer. Dort gibt es nichts, wirklich nichts, was sich noch lohnen würde mitzunehmen. Die Stadt wurde wenige Wochen nach der Evakuierung vollkommen ausgeplündert. Und auch später, im Laufe der Jahre, wurden alle Reste mitgenommen, alles was nicht niet- und nagelfest war. Vor allem Metalle wurden eingesammelt und über den Schwarzmark verkauft. Das alte Taxi, welches Du in Kiew benutzen wirst, könnte sich dem zu Folge als ein Hotspot der besonderen Art entpuppen.

Ob eine Reise nach Tschernobyl wirklich Sinn macht, diese Frage musst Du Dir selbst beantworten. Aber wenn Du Dich schon auf den Weg machst, solltest Du die Reise auch dafür nutzen, um die Ukraine näher kennen zu lernen. Das Volk und das Land haben es nicht verdient, lediglich auf Tschernobyl reduziert zu werden. Der Super-GAU ist ein Ereignis der Sowjetunion und die junge Ukraine hat mehr oder minder das Erbe zu tragen.

Du kannst mich über den Blog jederzeit ansprechen.

Herzlicher Gruß, Thomas

P.S.

Seit einigen Jahren gibt es legale Trips in die Tschernobyl-Zone und nach Pripyat. Einige Scouts besitzen eine Lizenz um Touristen dort hinzuführen. Für weitere Informationen empfehle ich Dir die Adresse www.pripyat.com, die Macher der Webseite wurden in Pripyat geboren und mir sind die Leute persönlich bekannt. Sie haben meine Reise nach Tschernobyl ermöglicht.

Auf folgender Webseite könntest Du eine Reise buchen oder anfragen:
www.chernobylzone.com

Dort ist alles weitgehend in russischer Sprache geschrieben. Mit Hilfe von Google kannst Du Dir die Seite übersetzen lassen. Die Trips finden, je nach Jahreszeit und Nachfrage, im monatlichen oder wöchentlich Rhythmus statt. Kosten, zuletzt um die 78 US$ pro Nase (siehe auch http://en.pripyat.com.ua/). Für die Reise ist eine Sondergenehmigung erforderlich, keine Sorge, darum kümmert sich der Veranstalter. Obligatorisch ist der Reisepass, ohne Reisepass geht nichts.

Reisetipps für Tschernobyl (1)
Reisetipps für Tschernobyl (2)
Checkliste

Kommentare (2) Trackbacks (1)
  1. Hallo Thomas,

    toller Kurzbericht. Ich habe mir schon seit mehreren Jahren (seit Tschernobyl zur Attraktion wurde) überlegt, dorthin aufubrechen und mir ein eigenes Bild zu machen.
    Was ist genau zu fotographieren verboten? Würden Sie mir vielleicht Ihre Bilder zukommen lassen?

    Vielen Dank
    Mit freundlichen Grüßen
    Johannes

    • Hi Johannes, ich war lange nicht im Blog, deshalb meine späte Antwort. Zu meiner Zeit (ich war 2006 dort) gab es noch Einschränkungen im Bereich der Kraftwerke. Heutzutage darf in Tschernobyl alles fotografiert werden, sofern etwas frei zugänglich ist. Im Internet gibt es reichlich Fotos aus dem gesamten Atomkomplex. In der Geisterstadt Pripyat war das Fotografieren nie ein Problem. Fotos aus Tschernobyl sind heute nicht mehr sonderlich exclusiv. Das ist inzwischen so alltäglich, als würde man den Kölner Dom oder den Berliner Reichstag ablichten. Zugegeben, ein Hauch von Abenteuer ist dennoch geblieben. Smile!


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