tapatapatu written by Tomik

Reistipps für Tschernobyl 2

Aufenthalt in der Tschernobyl-Zone

Der Aufenthalt in der Tschernobyl-Zone ist grundsätzlich gefährlich aber gleichzeitig berechenbar. Was ich Dir damit sagen will: Der Besuch, von einigen Stunden in der Sperrzone, ist kein wirklich hohes Risiko für die eigene Gesundheit. Die Strahlenbelastung während eines Fluges über den Atlantik gilt auch nicht als hohes Gesundheitsrisiko. In der Stadt Tschernobyl arbeiten und leben bis heute viele Hundert Menschen, welche die Zone verwalten, das ehemalige Kraftwerk vor dem kompletten Einsturz bewahren oder im dienste der Wissenschaft Forschung betreiben. Sie leben und arbeiten im 14-Tage-Rhythmus, mal innerhalb der Zone und dann außerhalb der Zone.

Wenn das alles so harmlos ist, warum dann eine 30-Kilometer-Sperrzone um den havarierten Kernreaktor? Nach der Explosion im Reaktor IV wurde radioaktives Material in die Luft geschleudert. Die Radioaktivität hat sich chaotisch verteilt. Regelrecht radioaktiv verseucht wurde ein nördlicher Teil der heutigen Ukraine und der Süden des heutigen Weißrusslands. Eine Fläche, welche zigfach größer ist, als die eigentliche Sperrzone von Tschernobyl.

Die unmittelbare Gefahr für Dich sind so genannte Hotspots. Das sind Orte oder Gegenstände mit besonders hoher Radioaktivität. Stellen, an denen Du Dir in wenigen Stunden einen Schaden fürs Leben holen kannst. Diese Hotspots liegen logischerweise vermehrt um den eigentlichen Explosionsort. Möglicherweise machst Du Dir keine richtige Vorstellung davon, welcher Dreck in der Nacht des 26.04.1986 in die Luft geschleudert wurde. Die fetten Brocken vielen in der unmittelbaren Umgebung zurück auf den Boden. Die feinen Partikel zogen in hohen Luftschichten und legten sich über halb Europa auf den Boden. Wie auch immer: Die heutige Geisterstadt Pripyat, mit einst 50.000 Einwohnern, liegt nur drei Kilometer Luftlinie vom Reaktov IV entfernt.

Du möchtest also wirklich Tschernobyl und Pripyat besuchen? Genauso gut kannst Du ein Minenfeld im Kosovo durchqueren. Das hat in etwas den gleichen Kick. Radioaktivität kannst Du weder sehen, schmecken noch riechen. Aufspüren lassen sich „Hotspots“ nur mit dem Geigerzähler. In Pripyat gibt es einige heiße Stellen, vor allem unten am gleichnamigen Fluss. Einen eigenen Geigerzähler zu besitzen ist in der Tschernobyl-Zone kein Nachteil. Ein ordentliches Gerät ist allerdings nicht ganz billig. Zumindest sollte ein erfahrener Scout ein solches Messgerät mitführen, um Dich von gefährlichen Orten fernzuhalten.

In Pripyat hatte ich das Privileg, mich wirklich frei bewegen zu dürfen. Das Ergebnis waren jede Menge Fotos und persönliche Eindrücke, die sich sehr tief in mein Gedächtnis gegraben haben. Selbstverständlich wirst auch Du Fotos knipsen und Videos drehen. In wie weit Du Dich dabei frei bewegen kannst, hängt einerseits von der Reiseleitung und andererseits von Deiner Risikobereitschaft ab. Es gibt in der Geisterstadt kein Gesetz und keine Verordnung, jede Reisegruppe trägt für sich selbst Verantwortung. Wie eine Exkursion letztendlich verläuft, liegt im Ermessensspielraum der Gruppe. Klar, je geringer die Teilnehmerzahl um so flexibler die Unternehmung.

Derzeit konnte ich in die Häuser laufen, die ganzen Stockwerke hoch, um von den Dächern Fotos zu schießen. Mein wohlgemeinter Rat für Dich: Aufpassen, aufpassen und noch einmal aufpassen! Ein simpler Sturz im Treppenhaus oder ein waghalsiges Klettermanöver für das bessere Foto, könnte fatale Folgen auslösen. Vor allem dann fatal, wenn Du Dich alleine zu weit von Deiner Gruppe entfernt hast. Pripyat ist eine Geisterstadt, hatte aber mal fast 50.000 Einwohner und ist entsprechen groß. Also immer den Anschluss mit dem verantwortlichen Tschernobyl-Scout halten und wenn schon eine Extratour, dann niemals völlig alleine. Schließe Dich mit ein oder zwei Gleichgesinnten zusammen. Handyfunktion, Rettungswagen oder ähnliche Scherze kannst Du in der Geisterstadt vergessen! Die Tour geht auf eigene Gefahr. Tipp am Rande: Ein paar Walki Talki mit frischen Batterien.

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Kommentare (2) Trackbacks (1)
  1. Hallo Thomas,

    vielen Dank für deinen Bericht. Ich möchte mir auch umbedingt Tschernobyl ansehen. Ich bin mir auch den Gefahren bewust. Meine Frage wo kann man die Reise buchen? Ich hab im Internet immer nur gelesen dass viele Reisebüros in kiev diese Reisen anbieten. Ist dass korrekt? Und kann man auch im Oktober dort hin oder sind die Touren auf eine bestimmt Jahreszeit begrenzt?

    MFG
    Timo

    • Hallo Timo,

      Dankeschön für Dein Feedback!

      Ich verweise auf meinen dritten Abschnitt der Reisetipps für Tschernobyl:
      http://www.tapatapatu.de/reistipps-fur-tschernobyl-003/

      Am Ende meines Artikels gibt es einen Link zum “Reisebüro”:
      http://www.chernobylzone.com.ua/

      Auf dieses Angebot kannst Du Dich verlassen, organisiert und geführt von gebürtigen Bewohnern der Stadt Pripyat. Exkursionen in die Zone werden gewöhnlich das ganze Jahr über angeboten. Die meisten Besucher kommen im Sommer, in der Urlaubszeit. Eindrucksvolle Fotos gelingen aber eher in der November-Stimmung. Das aber nur am Rande erwähnt. Normale Reisebüros haben keine Lizenz um Reisen in die Tschernobyl-Zone anbieten zu dürfen. Nichts desto weniger gibt es einen grauen Markt, der ist aber als westlicher Bürger ohne Kenntnisse der Russischen Sprache, nur mit Vorsicht zu genießen, Und noch etwas: Ich habe schon mehrmals gehört, das die “neue” konservative Regierung in Kiew den Tourismus nach Tschernobyl verbieten, zumindest aber einschränken will. Handfeste Informationen habe ich allerdings noch nicht.

      Herzlicher Gruß aus München

      Thomas


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