Ivano-Frankivsk im Herbst

Getränkemarkt in der Garage ... das gibt es auch in Deutschland. Im Hofbereich der Markthalle gibt es unzählige dieser Verkaufsnischen. Das Warenangebot ist unterschiedlich und manchen Nischen sind echt zum fürchten dunkel ... ich glaube, darin sind schon einige Ausländer einfach so verschwunden.

Offenbar ist Erntesaison für Paprika. Diese Aufnahme hat wenig Charme, im Vergleich zum Paprikamann, der sein Auto fast schon bis unter das Dach mit erntefrischen Paprika gefüllt hat (siehe Eintrag zuvor). Die Ukrainer legen ihren Paprika ein und haben so im Winter schmackhaftes Gemüse.

Vereinte Kräfte schieben eine mit Handelsware beladene Karre durch den Markt. Das geschieht ständig und jedermann hat hier etwas zu tun. Und wehe ein Kunde (oder ein fotografierender Ausländer) steht im Weg rum. Die "nieten" einen glatt um und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Es sei denn man versteht ukrainisch: "Aus dem Weg da!"

Ausrangierte LKW´s werden zu Marktständen umfunktioniert. Wenn die Karre auch nicht mehr fährt, die Ladefläche ist als Lager absolut optimal. Und läuft das Geschäft nicht, kann man im Fahrerhaus ein Schläfchen halten. Man kann ruhig doof seín, man muss sich eben nur zu helfen wissen.

Sonderaktion für Waschmittel. Ob osteuropäische Waschmittel noch weißer als Weiß waschen? Ich habe keine Ahnung. Vielfach stehen schon lange die üblichen Konzerne hinter der Produktion von Konsumgütern.

Hier habe ich ein paar junge Leute fotografiert ... ihre Themen dürften kaum andere sein als die der Jugend in Westeuropa oder in Amerika. Vielleicht ist die Jugend in Osteuropa etwas bescheidener. Handys gehören hier aber ebenso zur Grundausstattung wie im Westen.
Das heute rund 250.000 Einwohner zählende Ivano-Frankivsk wurde 1662 von der polnischen Adelsfamilie Potocki gegründet und trug bis 1962 den Namen Stanislaviv. Zu den "Ureinwohnern" gehörten Juden und Armenier, die dazu beitrugen, dass die Stadt bald eine wichtige Rolle als Handelsplatz spielte.

Der Bahnhof von Ivano-Frankivsk.

Ein Wohnhaus aus der Kaiserzeit in Ivano-Frankivsk.
Unter der österreichischen Herrschaft (von 1772 bis 1918) nahm Stanislau weiteren Aufschwung, avancierte zur "drittwichtigsten Stadt Galiziens" (nach Lemberg und Krakau). Aus jener Zeit stammen viele das Zentrum Ivano-Frankivsks heute noch prägende Bauwerke. Nach dem 1. Weltkrieg war die Stadt für kurze Zeit Regierungssitz der "Westukrainischen Volksrepublik", dann gehörte sie bis 1939 wieder zu Polen. Von den damals 65.000 Einwohnern waren 40% Juden, 37% Polen, 19% Ukrainer und 3% Deutsche.

Im Hintergrund das Rathaus von Ivano-Frankivsk.
Nach Abzug der Roten Armee, die 1939 in Folge des Hitler-Stalin-Pakts einmarschiert war, kamen im Juli 1941 für einen Monat die mit den Deutschen verbündeten Ungarn in die Stadt. Während dieser kurzen Zeit wuchs die jüdische Bevölkerung Stanislaus durch Massenabschiebungen aus Transkarpatien auf 40.000 an. Das Schicksal der Juden unter deutscher Besatzung gestaltete sich ähnlich wie in Drohobytsch. Bei der größten so genannten "Aktion" am 12.10.41 ermordeten SS, deutsche und ukrainische Polizei 10.000 Juden am Neuen Friedhof.
Der Krieg und die folgenden sowjetischen "Maßnahmen" führten dazu, dass die Bevölkerungsverteilung nach 1959 folgendermaßen aussah: 67% Ukrainer und 25% Russen. Heute ist Ivano-Frankivsk in der Ukraine aufgrund seiner lebendigen jungen Kulturszene bekannt, manche sprechen von einem "Stanislauer Phänomen" in der ukrainischen Literatur.
