Frühstück in Pattaya
Die erste Nacht in Pattaya habe ich also in Wodka ersoffen. Tolle Leistung. Den ersten Vormittag … glatt verschlafen … erst am späten Nachmittag wage ich es in die Sonne Thailands zu blinzeln. Von wegen Sonne: Der Himmel duster und mit schweren Wolken verhangen. Natürlich: Regenzeit in Thailand. Mein Zimmer liegt im Erdgeschoss mit Ausgang zum Innenhof. Dort liegt ein kleiner Pool. Völlig menschenleer. Sehr schön! Die Luft ist warum und feucht … nicht unangenehm aber ich komme quasi aus dem europäischen Winter und mir läuft der Schweiß die Arschbacken hinunter. Ab in den Pool um ein paar kleine Bahnen zu ziehen. Klasse!
Das Hotel ist vorwiegend auf Russen eingestellt und befindet sich unweit vom Pattaya Beach in einer Soi (Nebenstraße). Weitläufige Grünanlagen gibt es an dieser Stelle nicht. Alles ist zugebaut, jeder einzelne Quadratmeter! Und beileibe nicht nach deutschen Bauvorschriften. Ein Merkmal, das mir später auch ganz massiv in Bangkok auffallen wird. Kleine, enge und dunkle Wohnräume. Keine Grünflächen, die Freiflächen bilden die Straßen. Somit ist klar, warum sich soviel Leben auf der Straße abspielt. Wie auch immer, auf Bangkok komme ich später noch zurück … nun erstmal Pattaya.
Pavel, so der Name des Hotelchefs (der Besitzer? glaube ich nicht!) empfängt mich mit einen breiten Grinsen, als ich an die große hufeisenförmige Bar in der Lobby trete. Und recht schnell werde ich lernen: Die Bar ist Rezeption und gesellschaftlicher Mittelpunkt dieses Hauses. Zwei, drei Kerle sitzen gemeinsam mit ihren süßen „Thaimäusen“ an der Bar und zischen ein Cocktail oder ein Bier. Mir knurrt der Magen und ich brauche ein Frühstück. Innerhalb der Bar wuseln weitere hübsche Thaimädels und bedienen die Gäste oder führen Buch über die Einnahmen. Das offene Ende der Bar ist mit der Küche verbunden. Ich schaue Pavel an und der grinst: „Frühstück?“ Ich knurre ein „da da!“ und Pavel kommandiert seine Mädels im Kasernenton. Übrigens auf Thai! Wenige Minuten später landet vor mir ein großer Teller mit Eier, Speck und Würstchen, voll Fett! Mir dreht sich bei so einer deftigen Mahlzeit der Magen um. Aber das strahlende Lächeln der Serviererin lässt mir keine Chance zur Flucht und außerdem schiebe ich echt Kohldampf! Und schließlich flötet sie mir zu: „Do you like a drink?“ Ich bestelle mir ein Wasser und sie fragt zuckersüß „me too?“ Ich runzele die Stirn … „yes, if you like“ … und wende mich dann den Eiern zu. Hallo? Gemeint sind die Frühstückseier auf dem Teller!
Pavel (sitzt mir am „Hufeisen“ gegenüber) erzählt mir irgendwas von „Business“ und verlässt dann die Lobby des Hotels. Vor der Tür parkt sein getunter 500er Mercedes SL … er legt einen Kavalierstart hin und verschwindet um die Ecke. Nein, er ist trotzdem nicht Besitzer des Hauses – da wette ich drauf! Aber um Pavel geht es hier eigentlich nicht sondern um den plötzlichen Stimmungswandel an der Bar und ein weiser Spruch bewahrheitet sich aufs neue: Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Denn nun fangen die Damen hinter der Bar an zu schnattern und zu gikkern … als hätte jemand den Ton aufgedreht. Alles für mich völlig unverständlich in ihrer Thaisprache. Ihre vorher ruhigen Bewegungen und Tätigkeiten werden nun wild und ungezwungen ausgeführt. Die Buchhaltung verschwindet in der Schublade und ich lache mir lauthals einen Ast. „You like a beer?“ spricht mich meine „Serviererin“ erneut an. Ich verneine mit dem Kopf … „not in the morning, please“ … allerdings im Bewusstsein, das die Urzeiger unmittelbar vor der 17-Uhr-Marke stehen. Sie lacht mich an … „my name is Tuk“ und ich so „hi Tuk“ und sie wieder „maybe we drink a beer together“ und ich so „O.K., why not“ … Durst hatte ich ebenfalls und Wasser ist eben „nur“ Wasser.
Ein kleiner Wortwechsel mit Tuk (ich muss hier ja echt nicht alles schreiben) und schließlich hatte ich mein Frühstück so halbwegs verputzt, dazu ein Wasser und ein Bier. Gesunde Vollwertkost. Der Gegenwert wurde meiner „Zimmernummer“ belastet. Tuk blieb ebenfalls nicht auf dem trockenen sitzen. Hoffentlich hat am Ende meine „Zimmernummer“ die dringend notwendige Wechselwährung. Ich verschwinde kurz im Zimmer um die Kamera zu holen, um endlich für mich Thailand zu entdecken. Auf meine Weise und ohne Wodka! Apropos Wodka: Von Sascha und Sascha gibt es zu dieser Zeit noch keinerlei Spuren! Ich trete aus dem klimatisierten Hotel … Hitze, Luftfeuchtigkeit und Lärm empfangen mich.
