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	<description>written by Tomik</description>
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		<title>Schon gewusst?</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Aug 2011 12:58:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tomik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schon gewusst?]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor über 75 Jahren erblickte die Bierdose das Licht der Welt. Die Idee, Bier in Dosen abzufüllen, entstand in Amerika. Allerdings war es ein aus Deutschland eingewanderter Bierbrauer - Gottfried Krueger - der diese Idee in die Tat umsetzte. Zuvor lohnte es sich für die regional geprägten Brauereinen nicht, Bierflaschen weiter als im Umkreis von [...]]]></description>
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<p>Vor über 75 Jahren erblickte die Bierdose das Licht der Welt. Die Idee, Bier in Dosen abzufüllen, entstand in Amerika. Allerdings war es ein aus Deutschland eingewanderter Bierbrauer - Gottfried Krueger - der diese Idee in die Tat umsetzte. Zuvor lohnte es sich für die regional geprägten Brauereinen nicht, Bierflaschen weiter als im Umkreis von 30 Meilen zu verkaufen, schließlich sollten die Flaschen aus Glas regelmäßig zurückkommen und nachgefüllt werden. Bierdosen hingegen, ließen sich überall verkaufen und ein Lastwagen karrte in einer Lieferung knapp doppelt so viele Bierdosen wie Bierflaschen zur durstigen Kundschaft. Diese Rechnung gilt gleichzeitig für das Fassungsvermögen des heimischen Kühlschranks. </p>
<p>Die Konservendose wurde bereits 1810 patentiert. Doch es ist nicht das gleiche, ob man Fleisch und Gemüse in eine Dose steckt oder eben Bier. Bier reagiert auf Metall und der Druck durch die Kohlensäure sorgt ebenfalls für ein Problem. Die Dosenfirma „American Can“ aus New York entwickelte daher eine geschmacksneutrale Innenbeschichtung um den Gerstensaft zu schützen. Die ersten Bierdosen aus Weissblech, und damit die ersten Getränkedosen überhaupt, durften zunächst rund 2000 Bierfreunde der Gottfried-Krueger-Brauerei testen, das war 1933 und offenbar mit Erfolg. Im Januar 1935 trat die Büchse ihren Siegeszug im regulären Handel an. </p>
<p>Ein großer Wurf, nicht nur für den deutschstämmigen Bierbrauer, denn schon Ende 1935 wurden 200 Millionen Stück Bierdosen verkauft. Die ersten Blechdosen mit 330 ml Volumen waren gut 100 Gramm schwer und nicht immer sah eine Dose wie eine Dose aus. Bierdosen hatten eine Zeit lang Hälse wie Flaschen und wurden mit einen Kronkorken verschlossen. Ab 1958 kamen die ersten Getränkedosen aus Aluminium in den Handel, Korpus und Boden bestanden aus einem einzigen Stück. Heute wiegen Getränkedosen mit 0,5 Liter Volumen nur noch 20 Gramm. </p>
<p>1936 schaffte es die Bierdose über den Atlantik nach Großbritannien. Im gleichen Jahr füllte Coca-Cola als erstes Unternehmen ein Softdrink (eben Coca-Cola) in Dosen ab. Erst 1951 wurde auch in Deutschland die Bierdose populär. Offensichtlich benötigte das Regime im Dritten Reich Metalle für wichtigere Dinge. Der Slogan nach dem Krieg: „Modernes Leben mit Bier in Dosen!“ Erst seit 1963 wird in Deutschland Coca-Cola und Fanta in Getränkedosen abgefüllt. Übrigens: Das britische Unternehmen Rexam ist der weltweit größte Hersteller von Getränkedosen.</p>
<p>Bis in die 60er Jahre hinein haftete der Bierdose allerdings ein kleines Makel an, denn ohne Hilfsmittel war kein Durst löschen in Sicht. Die Lasche zum öffnen der Dose war noch nicht erfunden. Zunächst lag den Dosen ein simples Werkzeug bei, mit dem sich eine dreieckige Öffnung in den Deckel stoßen ließ. Der Amerikaner Ermal Fraze meldete 1963 die integrierte Lasche (Ring-Pull-System) zum Aufreißen als Patent an. Heutige Getränkedosen nutzen die Erfindung von Dan Cudzig, der 1974 den Stay-On-Tab erfand. Hierbei wird keine Öffnung der Dose entrissen, sondern die Lasche ins Innere der Dose gedrückt.</p>
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		<title>Ukrainische Abrechnung</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Aug 2011 20:39:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tomik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Seitenblicke Ukraine]]></category>
		<category><![CDATA[Julija Timoschenko]]></category>

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		<description><![CDATA["Janukowitsch hat sich verrechnet. Russland stellt sich weiter gegen ihn. Seine Versuche, die Ukraine auf Auslandsreisen als modernen und demokratischen Staat darzustellen, sind in sich zusammengefallen." zum Artikel in der Zeit: Julija Timoschenko - Auferstanden im Gefängnis]]></description>
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<p>"Janukowitsch hat sich verrechnet. Russland stellt sich weiter gegen ihn. Seine Versuche, die Ukraine auf Auslandsreisen als modernen und demokratischen Staat darzustellen, sind in sich zusammengefallen."</p>
<p>zum Artikel in der Zeit: <br /><a  href="http://www.zeit.de/2011/33/P-Timoschenko" target="_blank">Julija Timoschenko - Auferstanden im Gefängnis</a></p>
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		<title>Mehr Netto vom Brutto</title>
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		<pubDate>Tue, 24 May 2011 10:00:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tomik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach der schweren Krise boomt die Wirtschaft und deutsche Unternehmer sind in der Lage, die besseren Gewerkschafter zu spielen. In erfolgreichen Branchen wie Auto, Chemie oder Maschinenbau werden großzügige Erfolgsprämien ausgezahlt. Im Lager der Gewerkschaften wird der unverhoffte Geldsegen mit gemischten Gefühlen betrachtet. Sie erkämpften zuletzt langfristige Verträge mit magere Tariferhöhungen von 2 bis 3 [...]]]></description>
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<p>Nach der schweren Krise boomt die Wirtschaft und deutsche Unternehmer sind in der Lage, die besseren Gewerkschafter zu spielen. In erfolgreichen Branchen wie Auto, Chemie oder Maschinenbau werden großzügige Erfolgsprämien ausgezahlt. Im Lager der Gewerkschaften wird der unverhoffte Geldsegen mit gemischten Gefühlen betrachtet. Sie erkämpften zuletzt langfristige Verträge mit magere Tariferhöhungen von 2 bis 3 Prozent. Wer mag den Gewerkschaften noch zuhören, wenn die Zahl der Arbeitslosen sinkt und die Unternehmen Gehaltssteigerungen freiwillig überweisen?</p>
<p>Doch auch die Arbeitnehmer betrachten ihren wohlverdienten Bonus mit einen lachenden und einen weinenden Auge. Nämlich spätestens dann, wenn sich das fette Brutto zu magerem Netto verwandelt. Für die meisten Arbeitnehmer ergibt sich dadurch folgendes Bild: Von jeden Euro Mehrverdienst verschwinden 60 Cent in Form von Steuern und Sozialabgaben in fremde Taschen. Der wahre Feind des Arbeitnehmers sitzt derzeit weniger in der Chefetage, als vielmehr im Berliner Regierungsviertel. </p>
<p>Die kalte Progression schlägt gnadenlos zu. Nicht grundlos wurde die FDP, die bei der letzten Bundestagswahl mit „mehr Netto vom Brutto“ angetreten ist, vom Wähler auf ein Minimum an Akzeptanz zurückgestutzt. Richtig so! In Anbetracht der Entwicklung wird es allerdings höchste Zeit für eine Überarbeitung der Steuertabellen. Die ungerechte Steuerprogression wird eigentlich nur noch von der Ausgabenexpansion einer völlig durchgeknallten Euro- und Energiepolitik übertroffen. </p>
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		<title>Tschernobyl-Tourismus</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Apr 2011 02:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tomik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reise nach Tschernobyl]]></category>

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		<description><![CDATA[25 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe hat sich die geschlossene Zone, ein 30-Kilometer-Radius um den havarierte Block 4, zu einen einzigartigen Naturpark entwickelt. Der Mensch hat sich aus dem kontaminierten Gebiet zurückgezogen und seitdem gedeiht die Tier- und Pflanzenwelt. Die vermeintliche Todeszone wird nun von Seeadler, Wölfen und Wildpferde bewohnt. Fast scheint es so, als würden [...]]]></description>
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<p>25 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe hat sich die geschlossene Zone, ein 30-Kilometer-Radius um den havarierte Block 4, zu einen einzigartigen Naturpark entwickelt. Der Mensch hat sich aus dem kontaminierten Gebiet zurückgezogen und seitdem gedeiht die Tier- und Pflanzenwelt. Die vermeintliche Todeszone wird nun von Seeadler, Wölfen und Wildpferde bewohnt. Fast scheint es so, als würden Flora und Fauna die Radioaktivität besser verkraften als der Mensch. Das Sperrgebiet ist heute ein einmaliges Laboratorium für Wissenschaftler.</p>
<p><img src="http://www.kristan.de/550er/2006_05_Tschernobyl_043.jpg" alt="2006 05 Tschernobyl 043 in Tschernobyl-Tourismus"  /></p>
<p><img src="http://www.kristan.de/550er/2006_05_Tschernobyl_129.jpg" alt="2006 05 Tschernobyl 129 in Tschernobyl-Tourismus"  /></p>
<p>Rund 7500 Ausländer haben Tschernobyl seit 1987 besucht: Wissenschaftler, Journalisten und Mitglieder offizieller Delegationen. Doch so ein ungewöhnlicher Ort wie die Sperrzone von Tschernobyl zieht nicht nur Experten an. Inzwischen haben viele Tausend Touristen das Unglücksgebiet besucht. Vielleicht klingt der Begriff „Tourismus“ in diesem Zusammenhang etwas irreführend. Tschernobyl hat mit Erholung und Unterhaltung nicht viel am Hut. Kein Mensch besucht das Holocaust-Denkmal in Berlin um sich unterhalten zu lassen. </p>
<p><img src="http://www.kristan.de/550er/2006_05_Tschernobyl_119.jpg" alt="2006 05 Tschernobyl 119 in Tschernobyl-Tourismus"  /></p>
<p><img src="http://www.kristan.de/550er/2006_05_Tschernobyl_162.jpg" alt="2006 05 Tschernobyl 162 in Tschernobyl-Tourismus"  /></p>
<p>Den Begriff Tschernobyl-Tourismus hat, etwas abfällig, die Presse geprägt. Sicherlich wird es in Tschernobyl Besucher geben die den ultimativen Kick suchen. Wer heute unter 25 Jahre alt ist kann den Super-GAU nicht miterlebt haben. Und es mag schon sein, das eine morbide Faszination in uns den Wunsch weckt, persönlich durch die Ruinen der Geisterstadt Pripyat zu wandern. Doch Tschernobyl liegt nicht an bequemen Verkehrswegen, noch nicht einmal im vertrauten Westen. Tschernobyl liegt für die meisten von uns am Ende der Welt und den Ticketschalter für die Eintrittskarte muss man erstmal finden können.<br />
Wer sich diese Mühe macht, diesen Ort mit seiner tragischen Geschichte zu entdecken, der muss sich alles andere als für niedere Beweggründe rechtfertigen. Und nicht zuletzt: Die Scouts der Touren, selbst in Pripyat geboren, legen großen Wert auf ihre Geschichte.</p>
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		<title>Slawische Seele</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Apr 2011 10:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tomik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Seitenblicke Ukraine]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein älterer Djeduschka (zu deutsch, ein älterer Opa), ergraut und etwas unrasiert läuft vor dem Lebensmittelgeschäft und zählt seine letzten Kopeken in der einen Hand. Er murmelt etwas abwesend vor sich hin: „Naja, für Brot reicht das wohl nicht mehr.“ In der anderen Hand hält er eine gerade frisch erworbene Wodkaflasche. Ganz nüchtern schien er [...]]]></description>
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<p>Ein älterer Djeduschka (zu deutsch, ein älterer Opa), ergraut und etwas unrasiert läuft vor dem Lebensmittelgeschäft und zählt seine letzten Kopeken in der einen Hand. Er murmelt etwas abwesend vor sich hin: „Naja, für Brot reicht das wohl nicht mehr.“ </p>
<p>In der anderen Hand hält er eine gerade frisch erworbene Wodkaflasche. Ganz nüchtern schien er nicht zu sein und so lässt er, in seinem schluffigen Schritt, die Flasche zu Boden fallen. Das gute Stück schlägt auf - doch die Flasche bleibt auf wunderbare Weise heil. Mit großen, dankbaren Augen schaut der Mann zum Himmel und spricht aus vollem Herzen: „Oh, es gibt wirklich einen Gott!“ </p>
<p>Dann bückt sich Djeduschka um die Wodkaflasche aufzuheben. In diesem Moment stürzt eine weitere Flasche Wodka aus den Tiefen seiner Jacke hervor und knallt direkt auf die schon am Boden liegende Flasche. Beide Flachen zerbrechen in unzählige Glasscherben und der gute Wodka ergießt sich über den Asphaltboden. </p>
<p>Djeduschka lässt sich verzweifelt auf den Hosenboden fallen. Die Männer um ihn herum fühlen mit, wer das versteht, der kann die slawische Seele leise weinen hören. Ein Drama ohne Worte. Nicht ganz, denn man hört in der augenblicklichen Stille eine Frau leise lachen – na klar, sie sieht die Situation aus einer ihr völlig eigenen Perspektive.</p>
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		<title>McDonalds-Filiale in Tschernobyl</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 12:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tomik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reise nach Tschernobyl]]></category>

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		<description><![CDATA[Ständig arbeiten in der verbotenen Zone von Tschernobyl viele Tausend Menschen. Das sind in erster Linie Ingenieure, Wissenschaftler, Militärs und vor allem Arbeiter. Letztere kümmern sich um Rückbau und Konservierung der maroden Atomanlagen. Durch den Neubau des Sarkophags sind derzeit zusätzlich viele Mitarbeiter westlicher Unternehmen vor Ort. Seit einigen Jahren dürfen neben Offiziellen auch private [...]]]></description>
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<p>Ständig arbeiten in der verbotenen Zone von Tschernobyl viele Tausend Menschen. Das sind in erster Linie Ingenieure, Wissenschaftler, Militärs und vor allem Arbeiter. Letztere kümmern sich um Rückbau und Konservierung der maroden Atomanlagen. Durch den Neubau des Sarkophags sind derzeit zusätzlich viele Mitarbeiter westlicher Unternehmen vor Ort. </p>
<p>Seit einigen Jahren dürfen neben Offiziellen auch private Bürger in die Tschernobyl-Zone einreisen. Inzwischen ist ein regelrechter Tschernobyl-Tourismus mit rasch wachsenden Besucherzahlen entstanden. Die Geisterstadt Pripyat ist längst keine Geisterstadt mehr. Jeden Tag werden Besuchergruppen durch die Stadt geführt. Da lag es nahe, Arbeitern und Touristen ein wenig mehr Komfort zu bieten.<span id="more-1570"></span></p>
<p>So hat die Regierung in Kiew schon 2008 die Konzession für eine McDonalds-Filiale in Pripyat erteilt. Das Restaurant wurde nun im Sommer 2010 eröffnet und durch Angehörige des Militärs unterhalten. Das soll noch wer behaupten, die Ukrainer sind nicht geschäftstüchtig. Vor wenigen Wochen besuchte ich die Geisterstadt Pripyat erneut, vor gut fünf Jahren war ich schon einmal in der Stadt. </p>
<p>Das neue Restaurant befindet sich in einer ehemaligen Schule, recht zentral in der Stadt gelegen. Schon von weitem ist das „M“ zu erkennen, das gelbe Logo wirkt etwas verloren im Umfeld von Zerfall und Apokalypse. Eigentlich habe ich Pripyat als eine stille Stadt in der Erinnerung. Natürlich hört man den Wind rauschen und die Vögel zwitschern, aber das brummen von Generatoren wirkt in Mitten der Trümmer ausgesprochen befremdlich. </p>
<p>Die Atommeiler von Tschernobyl sind schon lange abgeschaltet und trotzdem muss irgendwo der Strom für das Restaurant herkommen. Komische Gedanken bewegen mich: Hätte der Kern des Reaktors IV eine Seele, was würde sie jetzt über den Dieselgenerator denken? Nur ein Hauch von Blubbern, im Vergleich zur Urgewalt einer Kernspaltung? Ich habe keine Ahnung und der Reaktorkern keine Seele.</p>
<p>Um in das eigentliche Restaurant zu gelangen muss ich eine Schleuse mit Waschgelegenheit passieren. Rollbürsten säubern mein Schuhwerk, eine zwingende Vorschrift. Am Ende der Prozedur betrete ich einen Scanner für Radioaktivität. Ja genau, so ein Teil wie er jetzt auf allen Flughäfen der Welt auftaucht. Nur werde ich nicht mit Strahlung durchleuchtet, vielmehr wird meine persönliche Ausstrahlung gemessen. Eine grüne Lampe flackert auf und ich darf das Restaurant betreten. </p>
<p>Was wäre eigentlich bei einer roten Leuchte passiert? Mein Gedanke verliert sich, als schlagartig vertraute Geräusche in meinen Ohren klingen. Das Gemurmel der Gäste, das übliche piepsen und scheppern der McDonalds-Kassen und Backöfen. Mitten in der Geisterstadt ein Hort der Zivilisation. Ein Konsumtempel. Wie ich es vielleicht schon Tausend male zuvor getan habe, trete ich an die Kasse und kann mich spontan für kein Menu entscheiden.</p>
<p>Und diesmal ist es noch einen Tick schwieriger, denn das Angebot ist weniger umfangreich, als sonst in einer McDonalds-Filiale üblich. Zum Beispiel gibt es keinen Salat und auch nicht jede Burger-Variation. Hamburger Royal ja aber mit Tomaten nein. Ich bestelle mir einen Cheeseburger und ein koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk ohne Zucker. Hinter der Kasse steht keine junge Hübsche, eher eine standfeste Mafka mittleren Alters. Nun, die meisten Besucher der Geisterstadt kommen noch immer aus dem Raum der ehemaligen Sowjetunion. Noch ist der Ausländeranteil eher gering, will sagen, das Muttchen an der Kasse versteht mich nicht. </p>
<p>Der Filialleiter wird aufmerksam, ein junger Bursche, er hilft der Mafka und mir aus der vermeintlichen Patsche. Kein Thema und alle lächeln wir freundlich. Zumal ich jetzt meine paar Wörter Russisch mit in die Waagschale werfe. Das Restaurant ist überschaubar und im Moment auch nicht so richtig üppig besucht. Die Mittagszeit ist vorbei und die Arbeiter basteln schon längst wieder an den marodierenden Atomanlagen von Tschernobyl. In einem Eck sitzen ein paar mutmaßliche Ingenieure oder Techniker, die Hand voll Tschernobyl-Touristen sind leichter zu erkennen. Ich wähle mir einen Platz zwischen Einheimischen und Besuchern. </p>
<p>Kurze Zeit später gesellt sich der Filial-Manager, ein Pappbecher Kaffee in der Hand, zur mir an den Tisch. Er stellt sich als Sergej vor und fragt mich auf Englisch, ob ich mit dem Service zufrieden sei. Sergej rührt dabei seinen Kaffee um. So kommen wir ins Gespräch und ich erfahre, im Restaurant gibt es ein Überdruck und in der Schleuse einen Unterdruck. Damit soll das Einschleppen von radioaktiven Stoffen verhindert werden. Die Belüftungsanlage ist Made in Germany, Sergej scheint sich über diese Tatsache ganz besonders zu freuen. </p>
<p>Tatsächlich wurde die „Klimaanlage“ in Teilen aus einem alten Atomschutzbunker im Brandenburgischen ausgebaut und per Bahn nach Kiew transportiert. Allerdings nicht in jüngster Vergangenheit, sondern vielmehr Anfang der 90er Jahre, als die glorreiche Rote Armee Ostdeutschland räumte. Was nicht Niet- und Nagelfest war, wurde derzeit mitgenommen. Nun also bewährte sich die Technik des Kalten Krieges im kontaminierten Pripyat von heute.</p>
<p>Sergej lädt mich zu einem Becher Kaffee ein und erzählt weiter: Er selbst kam nach dem Super-Gau zur Welt, aber seine schwangere Mutter wurde im April 1986 evakuiert, 36 Stunden nach dem Super-GAU. Sergej deutet mir rüber zur Kasse, die Mafka, das ist seine Mutter. Offenbar musterte ich Sergej mit staunenden Augen, jedenfalls versichert er mir lachend, bei ihm sei alles in Ordnung. Sergej ist ein gesunder junger Mann.</p>
<p>Mir brennt eine Frage auf der Zunge: Warum gibt es keine Salate? Und keine Tomaten im Burger? Die Touristen mögen keinen Salat, erklärt mir Sergej trocken. Erneut schaue ich auf Sergej wie ein Fragezeichen. Wie nicht? Naja, hier in der Tschernobyl-Zone gibt es viele alte Menschen, Rückkehrer, die in ihren Gärten oder auf ihren Feldern Salat und Gemüse anbauen. Schlagartig wird mir klar, worauf Sergej hinaus will: Klar, die Gäste denken, das Zeugs stammt aus der Region. Und wer möchte schon frischen Salat aus Tschernobyl essen?</p>
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