tapatapatu written by Tomik

5Apr/080

Ein Amerikaner in Kiew

Warum fällt es dem US-Präsidenten George Bush so leicht, die Ukraine und Georgien mit in die NATO einzubinden, während sich die Europäer noch sträuben? Ganz einfach, der Groll Moskaus reicht so schnell nicht bis nach Washington. Wohl aber nach Berlin oder Paris. Schließlich gibt es keinerlei Gasleitungen von Russland aus in die USA.

Die Ukraine ist ein friedliches Land und dennoch in sich zerrissen. Die westlichen Landesteile und die Stadt Kiew neigen sich Europa zu, während der Osten sprachlich und kulturell ganz eng mit Russland verbunden ist. Die Halbinsel Krim ist gleichfalls eine umstrittene Region und dort ist die russische Schwarzmeerflotte (über einen Pachtvertrag mit der Ukraine) stationiert. Formal ist die Krim ein Teil der Ukraine. Aber die Bevölkerung und die Bestrebungen vor Ort sind Pro-Russisch.

Die Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung ist gegen ein Beitritt zur NATO. Moskau weiß die aktuelle Stimmung geschickt zu nutzen und versucht den Aufnahmeantrag der Regierung in Kiew als undemokratisch und manipuliert darzustellen. Moskau übersieht dabei, dass es sich hier um gewählte Politiker mit einem glaubwürdigen demokratischen Mandat handelt - wer kann das in Moskau schon von sich behaupten?

Hat Präsident Bush so sehr unrecht? Ich denke nein. Wo deutsche und französische Politiker gegenüber dem autoritären bis mafiösen Russland den Schwanz einziehen, beharrt der US-Präsident auf ein freies (von Russland unabhängiges) Kiew. Einen Beitritt zur EU wollen die Europäer nicht. Bleibt also nur ein Bündnis im Rahmen der NATO. Wo Europa die politische Puste ausgeht, dort greifen die Amerikaner ein. Leider ist es immer noch so.

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