tapatapatu written by Tomik

11Aug/110

Ukrainische Abrechnung

"Janukowitsch hat sich verrechnet. Russland stellt sich weiter gegen ihn. Seine Versuche, die Ukraine auf Auslandsreisen als modernen und demokratischen Staat darzustellen, sind in sich zusammengefallen."

zum Artikel in der Zeit:
Julija Timoschenko - Auferstanden im Gefängnis

1Apr/110

Slawische Seele

Ein älterer Djeduschka (zu deutsch, ein älterer Opa), ergraut und etwas unrasiert läuft vor dem Lebensmittelgeschäft und zählt seine letzten Kopeken in der einen Hand. Er murmelt etwas abwesend vor sich hin: „Naja, für Brot reicht das wohl nicht mehr.“

In der anderen Hand hält er eine gerade frisch erworbene Wodkaflasche. Ganz nüchtern schien er nicht zu sein und so lässt er, in seinem schluffigen Schritt, die Flasche zu Boden fallen. Das gute Stück schlägt auf - doch die Flasche bleibt auf wunderbare Weise heil. Mit großen, dankbaren Augen schaut der Mann zum Himmel und spricht aus vollem Herzen: „Oh, es gibt wirklich einen Gott!“

Dann bückt sich Djeduschka um die Wodkaflasche aufzuheben. In diesem Moment stürzt eine weitere Flasche Wodka aus den Tiefen seiner Jacke hervor und knallt direkt auf die schon am Boden liegende Flasche. Beide Flachen zerbrechen in unzählige Glasscherben und der gute Wodka ergießt sich über den Asphaltboden.

Djeduschka lässt sich verzweifelt auf den Hosenboden fallen. Die Männer um ihn herum fühlen mit, wer das versteht, der kann die slawische Seele leise weinen hören. Ein Drama ohne Worte. Nicht ganz, denn man hört in der augenblicklichen Stille eine Frau leise lachen – na klar, sie sieht die Situation aus einer ihr völlig eigenen Perspektive.

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9Okt/100

Kleiderordnung

Frauen aus Osteuropa sind bekannt für kurze Röcke und schlanke Beine, den gekonnt gesetzten Lidschatten und erst recht – für den ganze Rest. Frauen aus dem Osten eben, die so manche Männeraugen zum glänzen bringen. Und nun das: Ausgerechnet in der Ukraine sollen kurze Röcke verboten werden. Nun gut, nicht überall, aber zumindest in der Regierung.

Eine neue Kleiderordnung, von der Regierung in Kiew beschlossen, schreibt vor, dass kurzer Rock, knalliger Lippenstift und Stöckelschuhe nicht mehr erwünscht sind. Die Damen im Regierungsapparat sollen künftig auch von durchsitigem Stoff oder tiefen Dekolletees Abstand nehmen. Dezentes Gewand und maßvolles Make-up sind angesagt.

Es wird wohl Gründe haben, dass Frauen so ihrer wichtigsten Waffen beraubt werden. Die ehemalige Premierministerin, Julia Timoschenko, ist gerne in kürzeren Röcken aufgetreten.

3Mai/100

Frühling im Botanischen Garten

Botanischer Garten, lila Blüten, Anfang Mai. Klingt etwas langweilig, oder? Dabei gibt es im Botanischen Garten von Kiew viel mehr zu entdecken, als nur den "obligatorischen" Flieder. Viele Kiewer nutzen den Ort für eine kleine Frühjahrswallfahrt. Der Botanische Garten in Kiew entstand in der kurzen Zeit der Unabhängigkeit (1918 bis 1919) der Republik Ukraine. Der Garten wurde zum integralen Bestandteil der Nationalen Akademie der Wissenschaften. Aber erst nach 1944 wurde der Botanische Garten richtig ausgebaut. Heute erstreckt sich das Gebiet über 200 Hektar auf den sanften Hügeln östlich des Dnjepro und stellt ein Juwel in Kiews "Grüner Krone" dar. Ein wunderbarer Ort, um einen Nachmittag in der Hauptstadt zu verbringen.

Vielleicht unvermeidlich, wird der Besucher anfänglich zu den prächtigen lila Blüten des "Hängenden Gartens“ gelockt. Die Blütenpracht erstreckt sich kaskadenförmig in Richtung des Mykhaylivsky-Vydubytsky-Kloster; bis an die Ufer des Dnjepro. Die Blütenpracht bewegt sich sanft im Wind, aber es mag trotzdem keine wirkliche Ruhe aufkommen. Zahlreiche Besucher, Schulkinder und glückliche Familien teilen sich diesen großartigen Anblick. Dennoch finden sich auf dem weiten Areal einsame "Flecken", wo sich etwas Ruhe und Einkehr finden lässt. Der Garten ist so entworfen, dass sich unterschiedliche Klimazonen wieder spiegeln. So kann man die Welt Westsibiriens erkundet, die vielfältige Pracht aus dem Fernen Osten erahnen und die Ruhe des Kaukasus genießen. Innerhalb einer Stunde erlebt man die feinen Änderungen in der Luft, hervorgerufen durch die unterschiedliche Vegetation. Die Pflanzen – für diese prachtvolle Ausstellung - wachsen in eigenen Gewächshäusern, die zum Forschungszentrum des Botanischen Garten gehören. Ebenso werden von hier aus die gesamten Grünanlagen der Stadt bestückt, nicht zuletzt laufen hier landesweite Projekte zusammen.

Obwohl der Botanische Garten am frühen Abend schließt, ist prinzipiell ein Besuch bei Nacht möglich. Von Seiten des Dnjpro ist nur ein niedriger Zaun zu überwinden. Natürlich ist das nicht ganz rechtens. Aber auf jeden Fall ist der Garten dann ein subtropisches Wunderland in einer moschusartigen Sommernacht. Die Luft, angereichert mit Pollen und üppigen, frischen Düften - dazu exotische Geräusche von Insekten und Vögeln – das alles inspiriert Liebespaare zum exotischen Spiel vor Ort.
Wirklich ärgerlich wirkt sich ein anderer menschlicher Zug aus: In der Nacht sind auch die Pflanzendiebe unterwegs. Oft sind es nur Männer, die ihre Frauen mit schönen Blumen beeindrucken wollen. Allerdings hat der Pflanzenklau inzwischen „organisierte“ Ausmaße angenommen. Seit der Perestroika-Ära und dem Dacha-Boom, ist der Diebstahl von Setzlingen ein ständiges Problem. Und wer weiß, ob schlecht bezahlte Mitarbeiter nicht einen schwunghaften Handel mit Pflanzen betreiben?

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25Jan/100

Die niedrigsten Löhne in Europa

Die Ukrainer haben die niedrigsten Löhne in Europa, so jedanfalls das Ergebnis einer Studie aus dem Forschungsinstitut für Demographie. Demnach beträgt das durchschnittlliche Monatseinkommen in der Ukraine 246 US-Dollar. Zum Vergleich: In Lettland verdienen Arbeitnehmer im Schnitt 575 US$, in Polen 1200 US$ und im Westen 5500 US$. Was die Statistik allerdings unter den Tisch kehrt: Nicht wenige ukrainische Arbeitnehmer erhalten neben dem offiziellen Lohn – Monat für Monat – einen zusätzlichen Briefumschlag mit Bargeld vom Chef ausgehändigt. Schließlich wird gut die Hälfte des ukrainischen BIP im Schatten von Staat und Gesellschaft erwirtschaftet.

31Okt/090

Panik, Hysterie und Schweinegrippe

Schweinegrippe in der Ukraine und die Menschen kaufen landesweit die Apotheken leer. Dabei haben ukrainische Apotheken kein geeignetes Arzneimittel gegen die Schweinegrippe im Angebot.

17Sep/090

Tag der Rettung

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Am 17. September feiern die Feuerwehrkräfte der gesamten Ukraine den „Tag der Rettung“. Schon am Vorabend zeigte sich die Generaldirektion des Ministeriums für Notfälle volksnah: Die Kiewer Feuerwehr präsentierte am Dnepr eine Ausstellung älterer und neuerer Feuerwehrtechnik. Die berufseigene Blaskapelle sorgte für Stimmung unter den Gästen.

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14Sep/090

Die Ukraine im freien Fall

Die ukrainische Ökonomie ist – durch die Weltwirtschaftskrise – vollkommen aus den Fugen geraten. Aktuell korrigiert der Internationale Währungsfonds (IWF) seine BIP-Prognose für die Ukraine deutlich nach unten. So soll das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr abnehmen. Bisher gingen die IWF-Experten von ein Minus um die 8 Prozent aus.

Außerdem prognostiziert der IWF eine Inflationsrate von 13 Prozent für das Jahr 2009. Der Absturz der Weltwirtschaft verstärkt das politische und wirtschaftliche Desaster in der Ukraine. Das Außenhandelsvolumen halbierte sich in den ersten sieben Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Jedoch sind die meisten Probleme des Landes im osten Europas ganz einfach hausgemacht: Alleine die Schattenwirtschaft mach 40 Prozent des BIP aus. Das berichtet jüngst die Rechnungskammer der Ukraine. Damit nimmt die Schattenwirtschaft ein Ausmaß an, das die makroökonomische Sicherheit des Landes bedroht.

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Um den defizitären Staatshaushalt zu decken läuft ungebremst die Notenpresse der Nationalbank: Die Nationalbank der Ukraine ist im Binnenmarkt die einzige Quelle für die Kreditaufnahme der Regierung, denn bei Investoren gibt es kein Vertrauen in ukrainische Schuldpapiere. Die Folge: Das Budgetproblem der Regierung destabilisiert die ukrainische Währung und der Hrywnja befindet sich im freien Fall.

Inzwischen kostet ein US-Dollar 8 Hrywnja. Die Situation ist ohne eine Erholung der Wirtschaft völlig aussichtslos. Für eine Kürzung der Staatsausgaben gibt es mehrheitlich keinen politischen Willen. Also wird die Nationalbank weiterhin Hrywnja gegen Schuldbriefe emittieren. Schon bald wird der Kaufpreis je Dollar auf 10 Hrywnja klettern und weiter zu einer Verarmung der Bevölkerung führen.

28Jul/090

Uzhgorod

2009 07 Ukraine Uzhgorod 001 in

Die erste große Stadt hinter der ungarischen oder slowakischen Grenze: Uzhgorod ist mit ca. 115.000 Einwohner die Hauptstadt des Oblast Transkarpatien. Der Name der Stadt rührt von ihrer Lage am Fluß Uzh (oder Usch, ukrainisch Уж) her.

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Fotos: Thomas Kristan