Reise nach Pripyat und Tschernobyl



Nein, soweit bin ich nicht in den Kernreaktor vorgedrungen. Selbst mit Schutzkleidung wäre ich dort auf keinen Fall hineinmaschiert. Hier habe ich lediglich ein paar Fotos, welche an der Wand im Infomationszentrum hängen, abfotografiert.

Reise nach Pripyat und Tschernobyl

Kritiker bemängeln das Projekt einer zweiten Schutzhülle. Sie bietet keine Lösung für das eigentliche Problem: Die hochgradig radioaktive Masse, zu der die Brennelemente mit dem Reaktormaterial verschmolzen sind. Was mit dieser Masse passieren soll, wie sie geborgen oder behandelt werden soll - dazu findet sich nichts in dem Plan. Ganz abgesehen davon ist auch die neue Schutzhülle nur eine Übergangslösung. Die Lebenszeit des geplanten Bauwerks ist begrenzt und die Probleme von Tschernobyl werden der nachfolgenden Generation überlassen.

Reise nach Pripyat und Tschernobyl

Schon seit Jahren gibt es Baupläne für eine neue Schutzhülle. Ein gigantischer Bogen aus Stahl und Beton soll auf Schienen über den Unglücksreaktor geschoben werden. Eine enorme technische Herausforderung, schon alleine deshalb, weil die Arbeit daran unter den Bedingungen der Tschernobyl-Zone stattfindet. Die ist immer mit einer Strahlendosis verbunden.

Die neue Schutzkonstruktion soll 110 Meter hoch und 260 Meter breit werden. Ein gigantischer Bogen mit zwölf Meter dicken Wänden. Wer sich eine Vorstellung der Dimension machen möchte, schaut nach Brandenburg: Dort steht die größte freitragende Halle der Welt. Heute als Freizeitparadies Tropical Islands bekannt, sollten hier ursprünglich Luftschiffe (Cargo Lifter) gebaut werden. Die Halle ist 107 Meter hoch und 210 Meter breit. Die Wand ist im Vergleich alles andere als Massiv.
100 Jahre soll die neue Schutzhülle von Tschernobyl halten. Ein französisch geführtes Konsortium (Novarka) will diesen Bau errichten. Inzwischen werden die Kosten auf über 1 Milliarde Euro geschätz.
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Seitdem ist das Reaktorgelände eine Großbaustelle und die Sicherung der Ruine ist die Herausforderung. Ingenieure und Arbeiter sind ständig bemüht, den Sarkophag zu flicken, zu stabilisieren oder abzudichten. Weder darf durch den Sarkophag radioaktives Material entweichen, noch Regenwasser eindringen. Unter den gegebenen Bedingungen eine Sisyphusaufgabe.

Witterung und Strahlung haben schon längst den Beton der Grundkonstruktion mürbe gemacht. Experten warnen daher vor dem Einsturz der gesamten Konstruktion. Im Kern der Anlage hat sich ein hochradioaktives Gemisch aus Asche und Lava angesammelt. Eindringendes Wasser könnte das gefährliche Material auswaschen und ausspülen. Mit erneuten fatalen Folgen für die Umwelt, insbesondere für das Grundwasser.
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Im April 1986 explodierte nur der Reaktorblock 4. Nach dem Super-GAU gingen die verbliebenen drei Blöcke wieder ans Netzt. Strom in der Ukraine war - insbesondere im Winter - ein knappes Gut. Erst 14 Jahre später, im Dezember 2000, wurde der letzte Meiler heruntergefahren und endgültig abgeschaltet. Seitdem werden die pannenanfälligen Atommeiler zurückgebaut.

Nach der Explosion wurde verzweifelt Sand und Blei auf den brennenden Reaktor geschüttet und kurze Zeit später eine provisorische Schutzhülle errichtet. Zehntausende Menschen wurden dabei als sogenannte Liquidatoren eingesetzt. Alle riskierten sie ihr Leben und viele Arbeiter haben mit dem Leben bezahlt.
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Die erste Etappe ist erreicht, der havarierte Reaktorblock 4, von nun an klicken die Kameras. Das Hauptmotiv ist der marode Sarkophag. Recht viel mehr gibt es auch nicht zu entdecken. Die Nebengebäude sind unspektakulär.


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Eine Schautafel am Checkpoint mit Angaben über Strahlenwerte und Strahlenzonen. Je nach Jahreszeit schwanken diese Werte ganz erheblich. Zum Beispiel hat eine Schneedecke absorbierende Wirkung. Wind und Wasser hingegen können radioaktive Partikel versetzen.


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Die Zufahrtsstraßen zur Tschernobyl-Sperrzone werden von speziellen Einheiten des Militärs überwacht. Ohne eine Sondergenehmigung ist kein Durchkommen möglich. Natürlich gibt es zahlreiche inoffizielle Schleichwege in die radioaktiv belastete Zone und die einheimische Bevölkerung kennt alle Wege.

Als Fremder und dazu noch westlicher Ausländer ist diese Möglichkeit allerdings ein riskantes Unterfangen. Noch mehr, wenn man sich heimlich mit dem Auto in der verbotenen Zone bewegen möchte. Praktisch unmöglich: Denn an einigen neuralgischen Punkten wurden zur Überwachung Kameras installiert. Außerdem gibt es innerhalb der 30-Kilometer-Sperrzone von Tschernobyl weitere Streckenposten.

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Immer stärker kreisen die Gespräche nur noch um ein Thema: Aber Radioaktivität lässt sich nicht sehen, nicht schmecken, nicht riechen, nicht hören und nicht anfassen.

Ein paar Leute versammeln sich interessiert um ein kleines graues Gerät, das von Vadim bedient wird. Es ist ein Geigerzähler. Nur damit besteht für uns die Möglichkeit, die radioaktive Strahlung zu erfassen und zu bewerten.

Auf dem Display werden 18 Mikroröntgen pro Stunde angezeigt. Das ist ein normaler Wert und zeigt die natürliche Radioaktivität in der Umgebung an.
