Am Straßenrand

Am Rand von Fernstraßen findet man sie: Massive Rampen aus Beton. Dafür geschaffen, ein Auto oder ein LKW so richtig unter die Lupe zu nehmen. Aber im ernst: Die Menschen im Osten sind große Meister der Improvisation und - weiß Gott - nicht jeder Ukrainer kann sich ein neues Auto leisten. Alte Fahrzeuge, insbesondere aus der heimischen Produktion, sind anfällig für Reparaturen. Doch wer unterwegs eine Panne hat, dem kommt so eine Rampen im Notfall sehr entgegen.

Ich selbst habe auch schon mehrfach mein Auto auf so eine Rampe fahren müssen um zum Beispiel nach einen "Schlag" die Ölwanne zu kontrollieren, oder um den Auspufftopf notdürftig zu fixieren. Jedanfalls ist das nicht ganz so einfach: Zum einen sind die Rampen oft ziemlich beschädigt. Zum anderen, der Abstand zwischen den beiden Fahrspuren aus Beton ist relativ breit. Ein Smart wäre theoretisch zu schmal und käme gar nicht erst da hoch. Für ein PKW bleibt wenig Spielraum - um links oder rechts von der Spur abzuweichen. Will sagen: Ein Fahrfehler und die ganze Karre kippt ins Loch. Dann ist Schicht im Schacht.

Und auch so macht die Reparatur auf so einer Rampe nur bedingt Spaß. Die Ukrainer lassen dort ungeniert Öl ab und hinterlassen Müll oder ausgebaute Teile. Eine äußerst dreckige Angelegenheit am Erdboden, möchte man wirklich unter dem Auto hantieren. Auf den Fotos ist eine für PKW-Fahrer "humane" Rampe zu sehen, weniger für ein LKW gedacht.

"Als Rost bezeichnet man das Korrosionsprodukt, das aus Eisen oder Stahl durch Oxidation mit Sauerstoff in Gegenwart von Wasser entsteht. Die Verwitterung von Eisenwerkstoffen an Luft und Wasser zu Rost verursacht weltweit jährlich Schäden in Milliardenhöhe."

Man kann über Autos "Made in Russia" lästern so viel man will. Aber die Karren haben 20 bis 30 oder mehr Jahre auf dem Buckel und rollen (rumpeln) bis zum heutigen Tag auf abenteuerlichen Straßen in der Ukraine, in Russland oder Zentralasien. Übrigens: Der Markenname "Lada" war lange Zeit lediglich für den Export nach Westeuropa gebräuchlich. Im Osten nennen die Leute das Auto "Schiguli", so wie die kleine Segelboote auf der Wolga.

Der GAZ-24 Wolga wurde von 1968 bis 1992 produziert. Natürlich gab es in der langen Zeit das eine oder andere "Facelift" und möglicherweise technischen Fortschritt. Aber die Grundform im US-Style aus den 60er Jahren blieb im wesentlichen erhalten.

Der GAZ-24 wurde in ganz Osteuropa vor allem als Behördenfahrzeug und als Taxi eingesetzt. Speziell für den KGB wurde der Wolga mit einen rund 200 PS straken V8-Motor ausgestattet. In den Westen wurden nur wenige Exemplare verkauft. Die Exportfahrzeuge wurden mit einen Peugeot-Motor versehen. Kein Wunder, schließlich lag der Sprittverbrauch russischen Motoren jenseits von Gut und Böse.
