Schon gewusst?
Vor über 75 Jahren erblickte die Bierdose das Licht der Welt. Die Idee, Bier in Dosen abzufüllen, entstand in Amerika. Allerdings war es ein aus Deutschland eingewanderter Bierbrauer - Gottfried Krueger - der diese Idee in die Tat umsetzte. Zuvor lohnte es sich für die regional geprägten Brauereinen nicht, Bierflaschen weiter als im Umkreis von 30 Meilen zu verkaufen, schließlich sollten die Flaschen aus Glas regelmäßig zurückkommen und nachgefüllt werden. Bierdosen hingegen, ließen sich überall verkaufen und ein Lastwagen karrte in einer Lieferung knapp doppelt so viele Bierdosen wie Bierflaschen zur durstigen Kundschaft. Diese Rechnung gilt gleichzeitig für das Fassungsvermögen des heimischen Kühlschranks.
Die Konservendose wurde bereits 1810 patentiert. Doch es ist nicht das gleiche, ob man Fleisch und Gemüse in eine Dose steckt oder eben Bier. Bier reagiert auf Metall und der Druck durch die Kohlensäure sorgt ebenfalls für ein Problem. Die Dosenfirma „American Can“ aus New York entwickelte daher eine geschmacksneutrale Innenbeschichtung um den Gerstensaft zu schützen. Die ersten Bierdosen aus Weissblech, und damit die ersten Getränkedosen überhaupt, durften zunächst rund 2000 Bierfreunde der Gottfried-Krueger-Brauerei testen, das war 1933 und offenbar mit Erfolg. Im Januar 1935 trat die Büchse ihren Siegeszug im regulären Handel an.
Ein großer Wurf, nicht nur für den deutschstämmigen Bierbrauer, denn schon Ende 1935 wurden 200 Millionen Stück Bierdosen verkauft. Die ersten Blechdosen mit 330 ml Volumen waren gut 100 Gramm schwer und nicht immer sah eine Dose wie eine Dose aus. Bierdosen hatten eine Zeit lang Hälse wie Flaschen und wurden mit einen Kronkorken verschlossen. Ab 1958 kamen die ersten Getränkedosen aus Aluminium in den Handel, Korpus und Boden bestanden aus einem einzigen Stück. Heute wiegen Getränkedosen mit 0,5 Liter Volumen nur noch 20 Gramm.
1936 schaffte es die Bierdose über den Atlantik nach Großbritannien. Im gleichen Jahr füllte Coca-Cola als erstes Unternehmen ein Softdrink (eben Coca-Cola) in Dosen ab. Erst 1951 wurde auch in Deutschland die Bierdose populär. Offensichtlich benötigte das Regime im Dritten Reich Metalle für wichtigere Dinge. Der Slogan nach dem Krieg: „Modernes Leben mit Bier in Dosen!“ Erst seit 1963 wird in Deutschland Coca-Cola und Fanta in Getränkedosen abgefüllt. Übrigens: Das britische Unternehmen Rexam ist der weltweit größte Hersteller von Getränkedosen.
Bis in die 60er Jahre hinein haftete der Bierdose allerdings ein kleines Makel an, denn ohne Hilfsmittel war kein Durst löschen in Sicht. Die Lasche zum öffnen der Dose war noch nicht erfunden. Zunächst lag den Dosen ein simples Werkzeug bei, mit dem sich eine dreieckige Öffnung in den Deckel stoßen ließ. Der Amerikaner Ermal Fraze meldete 1963 die integrierte Lasche (Ring-Pull-System) zum Aufreißen als Patent an. Heutige Getränkedosen nutzen die Erfindung von Dan Cudzig, der 1974 den Stay-On-Tab erfand. Hierbei wird keine Öffnung der Dose entrissen, sondern die Lasche ins Innere der Dose gedrückt.
Ukrainische Abrechnung
"Janukowitsch hat sich verrechnet. Russland stellt sich weiter gegen ihn. Seine Versuche, die Ukraine auf Auslandsreisen als modernen und demokratischen Staat darzustellen, sind in sich zusammengefallen."
zum Artikel in der Zeit:
Julija Timoschenko - Auferstanden im Gefängnis
Mehr Netto vom Brutto
Nach der schweren Krise boomt die Wirtschaft und deutsche Unternehmer sind in der Lage, die besseren Gewerkschafter zu spielen. In erfolgreichen Branchen wie Auto, Chemie oder Maschinenbau werden großzügige Erfolgsprämien ausgezahlt. Im Lager der Gewerkschaften wird der unverhoffte Geldsegen mit gemischten Gefühlen betrachtet. Sie erkämpften zuletzt langfristige Verträge mit magere Tariferhöhungen von 2 bis 3 Prozent. Wer mag den Gewerkschaften noch zuhören, wenn die Zahl der Arbeitslosen sinkt und die Unternehmen Gehaltssteigerungen freiwillig überweisen?
Doch auch die Arbeitnehmer betrachten ihren wohlverdienten Bonus mit einen lachenden und einen weinenden Auge. Nämlich spätestens dann, wenn sich das fette Brutto zu magerem Netto verwandelt. Für die meisten Arbeitnehmer ergibt sich dadurch folgendes Bild: Von jeden Euro Mehrverdienst verschwinden 60 Cent in Form von Steuern und Sozialabgaben in fremde Taschen. Der wahre Feind des Arbeitnehmers sitzt derzeit weniger in der Chefetage, als vielmehr im Berliner Regierungsviertel.
Die kalte Progression schlägt gnadenlos zu. Nicht grundlos wurde die FDP, die bei der letzten Bundestagswahl mit „mehr Netto vom Brutto“ angetreten ist, vom Wähler auf ein Minimum an Akzeptanz zurückgestutzt. Richtig so! In Anbetracht der Entwicklung wird es allerdings höchste Zeit für eine Überarbeitung der Steuertabellen. Die ungerechte Steuerprogression wird eigentlich nur noch von der Ausgabenexpansion einer völlig durchgeknallten Euro- und Energiepolitik übertroffen.
Tschernobyl-Tourismus
25 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe hat sich die geschlossene Zone, ein 30-Kilometer-Radius um den havarierte Block 4, zu einen einzigartigen Naturpark entwickelt. Der Mensch hat sich aus dem kontaminierten Gebiet zurückgezogen und seitdem gedeiht die Tier- und Pflanzenwelt. Die vermeintliche Todeszone wird nun von Seeadler, Wölfen und Wildpferde bewohnt. Fast scheint es so, als würden Flora und Fauna die Radioaktivität besser verkraften als der Mensch. Das Sperrgebiet ist heute ein einmaliges Laboratorium für Wissenschaftler.


Rund 7500 Ausländer haben Tschernobyl seit 1987 besucht: Wissenschaftler, Journalisten und Mitglieder offizieller Delegationen. Doch so ein ungewöhnlicher Ort wie die Sperrzone von Tschernobyl zieht nicht nur Experten an. Inzwischen haben viele Tausend Touristen das Unglücksgebiet besucht. Vielleicht klingt der Begriff „Tourismus“ in diesem Zusammenhang etwas irreführend. Tschernobyl hat mit Erholung und Unterhaltung nicht viel am Hut. Kein Mensch besucht das Holocaust-Denkmal in Berlin um sich unterhalten zu lassen.


Den Begriff Tschernobyl-Tourismus hat, etwas abfällig, die Presse geprägt. Sicherlich wird es in Tschernobyl Besucher geben die den ultimativen Kick suchen. Wer heute unter 25 Jahre alt ist kann den Super-GAU nicht miterlebt haben. Und es mag schon sein, das eine morbide Faszination in uns den Wunsch weckt, persönlich durch die Ruinen der Geisterstadt Pripyat zu wandern. Doch Tschernobyl liegt nicht an bequemen Verkehrswegen, noch nicht einmal im vertrauten Westen. Tschernobyl liegt für die meisten von uns am Ende der Welt und den Ticketschalter für die Eintrittskarte muss man erstmal finden können.
Wer sich diese Mühe macht, diesen Ort mit seiner tragischen Geschichte zu entdecken, der muss sich alles andere als für niedere Beweggründe rechtfertigen. Und nicht zuletzt: Die Scouts der Touren, selbst in Pripyat geboren, legen großen Wert auf ihre Geschichte.
Slawische Seele
Ein älterer Djeduschka (zu deutsch, ein älterer Opa), ergraut und etwas unrasiert läuft vor dem Lebensmittelgeschäft und zählt seine letzten Kopeken in der einen Hand. Er murmelt etwas abwesend vor sich hin: „Naja, für Brot reicht das wohl nicht mehr.“
In der anderen Hand hält er eine gerade frisch erworbene Wodkaflasche. Ganz nüchtern schien er nicht zu sein und so lässt er, in seinem schluffigen Schritt, die Flasche zu Boden fallen. Das gute Stück schlägt auf - doch die Flasche bleibt auf wunderbare Weise heil. Mit großen, dankbaren Augen schaut der Mann zum Himmel und spricht aus vollem Herzen: „Oh, es gibt wirklich einen Gott!“
Dann bückt sich Djeduschka um die Wodkaflasche aufzuheben. In diesem Moment stürzt eine weitere Flasche Wodka aus den Tiefen seiner Jacke hervor und knallt direkt auf die schon am Boden liegende Flasche. Beide Flachen zerbrechen in unzählige Glasscherben und der gute Wodka ergießt sich über den Asphaltboden.
Djeduschka lässt sich verzweifelt auf den Hosenboden fallen. Die Männer um ihn herum fühlen mit, wer das versteht, der kann die slawische Seele leise weinen hören. Ein Drama ohne Worte. Nicht ganz, denn man hört in der augenblicklichen Stille eine Frau leise lachen – na klar, sie sieht die Situation aus einer ihr völlig eigenen Perspektive.
McDonalds-Filiale in Tschernobyl
Ständig arbeiten in der verbotenen Zone von Tschernobyl viele Tausend Menschen. Das sind in erster Linie Ingenieure, Wissenschaftler, Militärs und vor allem Arbeiter. Letztere kümmern sich um Rückbau und Konservierung der maroden Atomanlagen. Durch den Neubau des Sarkophags sind derzeit zusätzlich viele Mitarbeiter westlicher Unternehmen vor Ort.
Seit einigen Jahren dürfen neben Offiziellen auch private Bürger in die Tschernobyl-Zone einreisen. Inzwischen ist ein regelrechter Tschernobyl-Tourismus mit rasch wachsenden Besucherzahlen entstanden. Die Geisterstadt Pripyat ist längst keine Geisterstadt mehr. Jeden Tag werden Besuchergruppen durch die Stadt geführt. Da lag es nahe, Arbeitern und Touristen ein wenig mehr Komfort zu bieten.
Checkliste
Wetter und Jahreszeit beeinflussen den Grad der Radioaktivität in der Tschernobyl-Zone. Über die Jahrzehnte hinweg, hat der Regen radioaktive Stoffe in den Boden getragen. Daher ist im Sommer die radioaktive Bodenstrahlung wesentlich höher als im Winter, wenn Frost und eine Schneedecke die gefährlichen Partikel im Boden halten. Hitze, Trockenheit und Wind sorgen hingegen für Bodenerosion und tragen den radioaktiven Staub in die Luft.


Exkursion in Pripjat: Kleidung
Um für ein paar Stunden Pripyat zu erkunden ist kein Schutzanzug notwendig. Aber genauso wenig sind im Sommer T-Shirt und Shorts angesagt, vielmehr langärmelige Kleidung, lange Hose und – ganz wichtig - festes Schuhwerk. Flip-Flops sind kein geeignetes Schuhwerk um durch eine zerbröselnde Geisterstadt zu laufen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte trägt Einweg-Handschuhe (aus Baumwolle) und ein Tuch als Mundschutz.
Ich war im Frühjahr 2006 in Pripyat. Damals habe ich auf Handschuhe und Mundschutz verzichtet. Das Wetter war günstig. Allerdings wurde mir trotzdem abgeraten, meine Finger in den Mund zu stecken oder mir die Augen zu reiben. Und man möge mir glauben, nach zwei Stunden will man sich die Augen reiben oder über den Mund fahren. Bewusst und unbewusst. Vielleicht wirkt das ganze ein bisschen paranoid, abschließend kann ich das nicht beurteilen. Doch Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.
Exkursion in Pripjat: Lebensmitel
Vielleicht hat es der eine oder andere Leser schon geahnt: Aktuell gibt es in Pripyat keine Filiale von Burger King oder McDonalds. Doch ein paar Stunden aktiver Aufenthalt in der Stadt machen den Besucher hungrig und durstig. Pripyat hat lauschige Stellen die zum Picknick einladen. Nun, wer mit Flip-Flops in diese Stadt kommt, der macht auch ungeniert Brotzeit in einem Hotspot. Für die Vernunftbegabten unter uns gilt: Getränke gut verschlossen halten und abgepackte kleine Snacks (z.B. Müsliriegel) mitführen. Keine Schokolade, macht sich nicht gut bei Wärme. Und wenn der Riegel noch so sehr mundet, das Getränk noch so erfrischen ist: Keine Finger abschlecken, sich nicht über den Mund wischen! Und deshalb auch keine Schokolade. Ein reichliches Frühstück und ein Lunch-Paket für die Busrückfahrt helfen, dem Heißhunger in der Tschernobyl-Zone auszuweichen, zumindest aber zu ertragen.
Exkursion in Pripjat: Equipment
Schätze mal, niemand fährt ohne Kamera nach Tschernobyl. Ich für meinen Teil bevorzuge eine echte Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven. Will sagen: Zur Ausrüstung gehört ein ordentlicher Rucksack und keine Handtasche. Die Akkus – jawohl Mehrzahl – wurden über Nacht geladen. Und an der Kapazität einer Speicherkarte sollte die Exkursion ebenfalls nicht scheiten. Ich beschreibe hier alles Dinge, die für einen Ausflug am Starnberger See oder zum Schloss Neuschwanstein selbstverständlich sind. Der Unterschied ist nur, in Pripyat stellt niemand seinen Rucksack auf den (verseuchten) Boden um mal eben eine Banane rauszukramen.
P.S.
Ein Notebook mitzuschleifen ist reichlich überflüssig: Internet gibt es sowieso nicht, zum speichern der Fotos befinden sich genügend Speicherkarten in der Hosentasche, für Notizen reichen Papier und Bleistift vollkommen aus.


















